Samstag, 24. April 2010

SEXISMUS - ach, da steh' ich doch drüber ...

Folgende Geschichte kam uns gestern zu Ohren:

Eine Frau, nennen wir sie Karla, arbeitet in einer Marketing-Agentur. Sie recherchiert nach Werbemotiven für eine bekannte deutsche Automarke. Sie findet dieses Anzeigenmotiv: acht sich zugewandte weibliche Brüste; in der Mitte der Text "8 airbags".

Karla ist konsterniert; diese Werbung ist ziemlich blöd und sexistisch. "Mit-Frauenkörpern-Autos verkaufen", wie reaktionär und altbacken ist das denn? Und welche Kreativen und Grafiker geben sich dazu her, solchen Schund zu gestalten? Sie zeigt es ihrer Kollegin und regt sich auf. Diese antwortet beschwichtigend: ”Na, Du bist aber streng!"

Genau, Karla, sei doch nicht so streng und verbissen! So ein bisschen Sexismus, da stehen wir doch drüber! Ist bestimmt ironisch gemeint! Wir sind doch heute alle schon gleichberechtigt. Bist wohl eine Feministin, was (zwinker!).

(/ironie aus)

Wir stellen uns nun die Frage:
WIESO wagen es viele Frauen nicht, diese und ähnliche Sexismen anzusprechen. Oder sich als Feministin zu bezeichnen? Fürchten sie, als verhärmt und verbiestert zu gelten? Oder als „unweiblich“? Sind wir doch noch nicht so weit?

- - ->
Zum Weiterlesen: LOUD AND PROUD und OHNE WENN UND ABER

Nachtrag:
Karla hat die ganze Geschichte in ihrem Blog veröffentlicht. Und sah sich, nicht zum ersten Mal, einer Flut von unqualifizierten Kommentaren ausgesetzt. Entnervt löschte sie den Blog nach einem Tag. Wir können das verstehen. Und ärgern uns.


- - -> Zum Weiterlesen: MÄDCHENMANNSCHAFT und BESSERWISSER



Kommentare:

  1. Bilder werden derzeit - im Gegensatz zur Sprache - nicht besonders ernst genommen und deshalb wird die ihnen inhärente Gewalt oft bagatellisiert. Das allgemein gängige Abwehrverhalten gegenüber denjenigen (hier: Karla), die auf solche Gewalttätigkeiten aufmerksam machen, besteht darin, es zum/zur "Problem/Empfindlichkeit" "Betroffener Subjekte" zu erklären, also zu Karlas "Problem". Dieses Abwehrverhalten ist ein Ausdruck des grassierenden Neo-Individualliberalismus (vgl.: http://www.genderwiki.de/index.php/Neo_-_Individualliberalismus)

    AntwortenLöschen
  2. @wolfgang müller
    ein guter punkt: probleme, die eigentlich struktureller natur sind, werden auf den/die einzelne/n abgewälzt. zusammenhänge werden einfach geleugnet.

    AntwortenLöschen