Samstag, 29. Juni 2013

Geld her! - Keine Angst vor Steuererhöhungen.


Steuern erhöhen. Das kommt ja immer ganz schlecht an.
Was vielleicht mit einigen Missverständnissen zu tun hat.

"Was, ab 65.000 Euro Einkommen soll ich 53% Steuern zahlen?? Da ist ja über die Hälfte weg!", mögen viele aufkreischen, wenn sie beispielsweise einen Blick ins Wahlprogramm der Partei DIE LINKE werfen. "Und ab 1.000.000 wirds noch mehr, sogar 75%! Das ist ja wohl ENTEIGNUNG!" (Bekanntlich dachte ja auch Gerard Depardieu das, und floh aus Angst vor drohender Altersarmut zu Freund Putin nach Russland.).

Nur: das Gekreische ist ganz und gar unnötig. Denn so ist das gar nicht.

Es werden NICHT von den 65.000 Euro ganze 53% weggenommen. 
Sondern es werden lediglich von jedem Euro, der über 65.000 Euro HINAUSGEHT, 53% weggenommen. Die 65.000 Euro selber unterliegen einem niedrigeren Steuersatz. So ist das mit dem Spitzensteuersatz. 

Mit Francois Hollandes "Reichensteuer" verhält es sich entsprechend: Herr Depardieu hätte die 75% nicht von der 1.000.000 abknapsen müssen (wobei 250.000 jährliches Einkommen auch nicht ganz wenig sind ...) Sondern lediglich von jedem Euro, der darüber hinausgeht.

So können einfache Denkfehler und Verständnislücken zu völlig falschen Schlussfolgerungen führen. Was fatal ist. Den das Geld fehlt dem Staat, fehlt der Gesellschaft. Auf den NACHDENKSEITEN erklärt Wirtschaftsjournalist Jens Berger die ganzen Sachverhälte recht einfach. Und stellt selber ein neues Steuer-Stufenmodell vor, welches nach seinen Berechnungen ca. 51 Milliarden an Mehreinnahmen generieren würde:

"Für ein Stufenmodell empfehlen sich daher folgende Abstufungen:

Stufe 0: Grundfreibetrag –
Einkommen bis 8.354 Euro – Steuersatz 0%

Stufe 1: Eingangssteuersatz – bis zur Hälfte des Durchschnittseinkommens –
Einkommen von 8.354 bis 13.800 Euro – Steuersatz 10%

Stufe 2: ermäßigter Steuersatz –
von 13.801 Euro bis 27.600 Euro – Steuersatz 20%

Stufe 3:
erhöhter Steuersatz – 
Vom Durchschnittseinkommen bis zum Doppelten des Durchschnittseinkommens –
von 27.601 bis 55.200 Euro – Steuersatz 40%

Stufe 4: gehobener Steuersatz – 
für Einkommen oberhalb des Doppelten des Durchschnittseinkommens –
von 52.201 Euro bis 1.000.000 – Euro Steuersatz 55%

Stufe 5: Reichensteuer – für Einkommen ab 1.000.001 Euro – Steuersatz 75%"


Ist doch offenbar alles gar nicht so kompliziert. Oder bedrohlich. Für die hartarbeitende Bevölkerung, (die ja gerne beschworen wird). Weil sie davon nämlich gar nicht betroffen, oder sogar bevorteilt würde (siehe Steuer-Senkung für niedrigere Einkommen.)

Also dann: STEUERN RAUF. SPAREN ABSCHALTEN. jedenfalls für den Staat.

(Der auf den "Nachdenkseiten" veröffentlichte Text ist ein Auszug aus dem Sammelband: "Das alles und noch viel mehr würden wir machen, wenn wir Kanzler von Deutschland wär'n" von Peter Zudeick (Hg.)



Sonntag, 9. Juni 2013

EIN KESSEL BUNTES - die blockupy-soli-demonstration vom 8. juni 2013

Bilder von der BLOCKUPY-SOLIDARITÄTS-Demo
am Samstag, den 8. Juni 2013 in Frankfurt/Main:



Ca. 300 Personen waren für die Demo angemeldet. 
Ein paar Mehr wurden es dann schon. So 10.000 etwa.







"Worum geht's eigentlich noch mal?"
Darum:










Der "Sünden-Block"





"Regenschirme" waren bei der Demonstration am vorangegangenen Samstag (1. Juni) 
von der Polizei als "Schutzwaffen" eingestuft worden.









Im Hintergrund zwischen den Hochhäusern die Stelle, wo am 1. Juni
ca. 1.000 Menschen für etwa 10 Stunden eingekesselt worden waren.




Eine Ska-Band spielt auf.




So Nicht.




Schnappschüsse der Demo vom 1. Juni.




Einige Polizist*innen (vermutlich peinlich berührt) waren auch da.






Werner Rätz, Mit-Organisator von Blockupy und zu ATTAC.









Endlich: Ein Schwarzer Block.






An der Konstablerwache, gegenüber des samstäglichen Wochenmarkts.
Es spricht u.a. Kabarettist Urban Priol.








So kompliziert ist das Ganze gar nicht.






Letzer Zwischenstopp an der ALTEN OPER: 
Auf der Fassade selbigen Gebäudes ist im übrigen folgende Inschrift zu lesen:
DEM GUTEN, WAHREN, SCHÖNEN.

Montag, 3. Juni 2013

KÜNSTLER*in. NOT!

 

Viele Nicht-Künstler*innen halten das Künstler*innen-Dasein ja für immens romantisch und beneidenswert. Wie gerne würden sie auch, wenn sie nur könnten (aus ungeklärten Gründen können sie ja nicht ...).

Wie gerne würden sie auch so ein Atelier in einem alten Fabrik-Gebäude haben, wo sie sich mal so richtig ausleben könnten. So, ohne funktionierende Heizung. So mit Putz, der von den Wänden bröckelt. So mit Wasser, welches bei Regen durch das Dach tropft. So mit einem Vermieter, der in seinen nassforschen Briefen und Emails auch gerne mal die Anrede vergisst. So mit Hausmeistern und Handwerkern, die jederzeit ein und ausgehen können, weil sie nämlich zu jedem Atelier die Schlüssel haben, bzw. sich diese beschaffen können.

Apropos: Handwerker. Nun komme ich heute in mein Voll-Romantik-Atelier und bemerke: hier war irgendwer und hat gewerkelt. Neue Schalter. Das Licht geht teilweise nicht mehr. Bohrer-Staub ... nach einer Viertelstunde naht ein Elektriker und bittet mich, ich möge diese und jene Bilder und Regale wegräumen. Er müsse an die Licht-Leiste an der Decke, Trennung der Stromkreisläufe, alle bekommen ja jetzt ihre eigenen Zähler und so. Ich einige mich mit ihm, Bescheid zu geben, wenn ich das erledigt hätte ...

Unnötig zu sagen, dass von Vermieter H. vorab überhaupt keine Benachrichtigung kam. Ich überlege: soll ich einen Brief schreiben, und mich beschweren? oder eine Email, mit C.C. an andere Atelier-Bewohner*innen? Denn: irgendwie bin ich ziemlich verärgert, über diese abschätzige, respektlose Art, einfach Dinge über den Kopf von Leuten hinweg zu machen, weil, das sind doch nur Künstler. Ohnehin lästig und im besten Falle einfach nicht ernst zu nehmen.

Ich beschließe, schon im vorab entmutigt, es sein zu lassen: eine Auseinandersetzung mit unserem Vermieter ist nutzlos; das Inkenntnis-Setzen anderer Atelier-Bewohner*innen hat erfahrungsgemäß hauptsächlich Desinteresse zur Folge.

Solidarität und gemeinsames Handeln (da könnte mein Atelierhaus exemplarisch sein), sind leider im Kunst-Kontext nicht die Regel. Spott und Schmunzeln schon eher, wenn Missstände thematisiert werden. Oder wenn man sich für Themen interessiert wie Finanzkrise. Wie Gesellschaft. Wie Feminismus. Wird alles weggeschmunzelt.

Und das ist, neben der fast demütigenden Missachtung (durch, Z.B. Vermieter und andere Nichtkünstler*innen), fast das Schlimmste: Die nichtvorhandene Solidarität. Die tendenziell absolute Ich-Bezogenheit, die oft schon an Narzissmus grenzt. Damit einhergehend die Verinnerlichung aller neo-liberalen Werte, die man sich nur vorstellen kann: Flexibilität, Mobilität, Selbstausbeutung, Hyper-Individualismus. Und irgendwie ist das alles auch ganz schön langweilig.

"Ja, WARUM MACHEN SIE DAS DENN DANN, WENN ES SO DOOF IST??" werden Sie jetzt fragen.

Und ich weiß keine Antwort.

Doch. Ich weiß eine: ich mache es einfach nicht mehr.
Ich bin einfach keine Künstlerin mehr.
Nicht so eine.


Ich bin gelernte Schriftsetzerin,  und habe einen Abschluss als Diplom-Designerin. An Titeln mangelt es mir also nicht, falls ich dann nicht mehr weiß, wie ich mich nennen soll. Bloggerin bin ich auch. Und die Malerei betreibe ich natürlich weiter. Ob das nun Kunst ist oder nicht.

KUNST IST, WENN ICH ES SAGE. UND hat vielleicht mit dem größten Teil des herrschenden Kunstbetriebs gar nichts zu tun.

P.S. Grüße an die Autorin KATJA KULLMANN, die sich einmal Dienstleisterin" genannt hat, und ausdrücklich nicht als "Künstlerin" bezeichnet werden wollte. Ich verstehe sie immer besser.

Samstag, 1. Juni 2013

BLOCKUPY FRANKFURT 2013 / GROSS-DEMONSTRATION

Heute Bilder von der großen Blockupy-Demonstration am Samstag, den 1.6. 

Leider kam es dabei zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, nachdem einige ihre "Vermummungen" nicht abnehmen wollten, und angeblich Feuerwerkskörper und Farbbeutel warfen.

Der allergrößte Anteil der Demonstrierenden war (Überraschung!) dagegen völlig friedlich.

Ein Teil an der Spitze der Demonstration wurde bereits nach ca. einer Stunde abgetrennt und eingekesselt (ca. 12:30). Die Demonstrierenden wurden dann mehrere Stunden eingekesselt. Pfefferspray kam massiv und recht wahllos zum Einsatz. Laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau gab es mehrere Hundert Verletzte durch Pfefferspray.

Insgesamt entsteht, auch Aufgrund des unverhältnismäßig großen Polizei-Aufgebots (inkl. Wasser-Werfern und einer Unzahl an Einsatz-Fahrzeugen aus diversen Bundesländern außerhalb Hessens) der Eindruck, dass die Blockierung der Großdemonstration von Anfang an provoziert werden sollte. Der gesamte Polizei-Einsatz wirkt einschüchternd und bedrohlich. Von Sicherheit ist nichts zu spüren.

Und jetzt die Bilder. Wie gesagt: bis auf wenige Ausnahmen alles friedlich.




Der Frankfurter Hauptbahnhof gegen 12:00 Uhr, in der Nähe des Startpunkts "Baseler Platz"



Eine Stuttgarter Samba-Gruppe.



In der Nähe des ATTAC-Wagens in hinteren Teil der Demo: 
einige Demonstrierende fürchten, dass ein weiterer Teil des Demonstrations-Zuges 
von der Polizei abgetrennt werden soll, da einige Polizisten 
von der Seite bedenklich nah kommen.



Polizei-Gruppe neben dem Demonstrationszug im hinteren Teil: 
falls "Abtrennungs-Pläne" vorhanden waren, wurden diese glücklicherweise 
sogleich aufgegeben.



Ca. 15:30: Seit Stunden geht nichts mehr, da ein Teil des Demonstrations-Zuges 
an der Spitze eingekesselt wurde.



Polizei-Kommunikatoren, immerhin. Ansonsten war der Polizei-Einsatz
leider das Gegenteil von kommunikativ und wirkte sehr provozierend und einschüchternd.




Kinder amüsieren sich mit der Weltkugel. Gewaltbereit: WER WEISS!




Der Pinke Block.




Ein Wasserwerfer grüßt dezent. Im Hintergrund die Türme der Deutschen Bank.




Ein Sanitäter versorgt eine durch Pfefferspray verletzte Demonstrantin (hinter dem Sani.)




Die Demo kam bereits nach ca. einer halben Stunde zum Stillstand.




Stillstand und keine Informationen. Wenigstens die Sonne lässt sich mal blicken.




Stillstand und keine Informationen. Zermürbungs-Taktik




Wir wissen nicht, was die Polizist*innen im Hintergrund denken.




Lassen Sie uns über Geld reden.




Oder so.




Offensichtlich gewaltbereite Clowns.




Polizisten bewachen das Hotel Interconti. Leider interessieren sich die Demonstrierenden 
nicht die Bohne für das Hotel Interconti. Sehr unhöflich.




Ja.




Nun.




Solidarität und Verantwortung.




Im Vordergrund weißbehelmte Polizei. 
Im Hintergrund weißbehelmte Polizei.
Dazwischen, mit aufgespannten Schirmen:
eingekesselte Demonstrierende.
Dabei auch Parlaments-Abgeordnete.



Polizisten fotografieren von einem Baugerüst in die z.T. eingekesselte Menge.




Noch ein Kessel, diesmal mit Suppe, aus dem Blockupy-Camp.