Donnerstag, 19. September 2013

OUT OF TIME - der karnische höhenweg - ETAPPE 6


MONTAG : 29. Juli 2013

ETAPPE 6

Vom Hochweißstein-Haus zur Wolayer-See-Hütte (ca. 6 h)




Nun, da die 9-stündige "Königinnen-Etappe" hinter uns liegt, bin ich etwas entspannter: die heutige Etappe ist mit lächerlichen 6 Stunden Gehzeit angegeben.

Wie jeden Morgen steigen wir bei Sonne und blauem Himmel zunächst über Almwiesen zum Öfner Joch (Giogo Veranis, 2011m) auf, direkt auf dem Grenz-Kamm. Der Himmel beginnt sich bereits jetzt zuzuziehen. Wir steigen hinab in das Val Fleons, vorbei an der Casera Fleons di sopra. Mittlerweile haben wir so eine Art Großwandergruppe gebildet, mit all den Wander*innen, denen wir in den letzten Tagen immer wieder begegnet sind. Der Weg führt vorbei an der Casera Fleons di sotto zum Talboden, durch lichte Lärchenwälder, und wir müssen uns auf unserer Karte vergewissern, dass wir noch richtig sind, da wir immer tiefer kommen.

An der Casera Sissanis (1987m) sind wir kurz verwirrt, wo der Weg weiterführt, finden jedoch alle auf den rechten Pfad zurück. Dieser steigt nun wieder bergan, verlässt die Waldzone, um sich relativ steil zu einem Sattel hinaufzuwinden, wo wir rasten: Graue Wolken, dramatische Ausblicke, unterhalb von uns ein kleiner See. 

Es geht weiter auf fast ebenem Wege, u.a. über steil abfallende Schotterfelder, zum Giramondo-Pass. Hier passieren wir wieder die Grenze nach Österreich. Es geht über windige Hochalp-Flächen, und alsbald sehr steil hinab über blumige Wiesen hinab in das nächste Tal. Auf relativ ebenem Pfad gelangen wir über einen breiten Talgrund, vorbei an der Oberen Wolayeralm, auf einen geschotterten Fahrweg. Hinter der nächsten Ecke, im Talschluss, erwarte ich dann endlich die Wolayer-See-Hütte. Diese lässt jedoch auf sich warten, ebenso der gleichnamige See: ein letztes Mal geht es bergauf auf die nächste Talstufe. Es beginnt zu regnen und wird sehr stürmisch. Was mir aber nichts ausmacht, da es das erste Mal ist, während unserer Wanderung. Ich finde es eher wild-dramatisch.

Und da, nach dem nächsten Gupf ist sie, die Wolayer-See-Hütte (1959m). Zur Rechten der von Wellen aufgewühlte Wolayer-See, hinter dem sich die Seewarte (2595m) und die Hohe Warte (Monte Coglians, 2622m) erheben.

Die Hütte ist ein Erlebnis für sich: ein Teil der Gasträume bietet riesige Panorama-Fenster und atemberaubende Ausblicke auf den See und die Gipfel. Von der Innenausstattung erinnert er eher an eine urbane DJ-Lounge, als an eine Alpenvereinshütte. Ziemlich stylisch!

Am späten Nachmittag machen wir einen Minispaziergang (10min) am See vorbei, schwupp, über den Sattel auf die italienische Seite zum Rifugio Lambertenghi (Höhenunterschied: 4m), einer ruhigen Berghütte, wo wir uns am Vino Rosso della Casa gütlich tun. Was den Rückweg (das Abendessen ruft!) sehr beschwingt werden lässt.

Am Abend noch ausgelassene Gespräche mit anderen Wander*innen über alternative Bergrouten, das Kärnterland und die Vor- und Nachzüge von Facebook. Als es schon Dunkel ist, geistern Lichter am Seeufer entlang: die Jugendlichen vom Rifugio Lambertenghi kommen herüber, um den Abend auf der österreichischen Hütte zu verbringen.

Die Wolayersee-/Lambertenghi-Hütten: ein geeignetes Ambiente für eine Fernsehserie. Irgendwas zwischen "top of the lake" und "twin peaks".

Und unsere letzte Nacht in einem Matratzenlager.



Von da oben (halblinks die kleine Scharte) kamen wir gestern her ...

Hüttenverzierung am Hochweißsteinhaus: der Hl. Josef.

Bergan zum Öfner Joch


Das Öfner Joch auf der österreichisch-italienischen Grenze


Hinab ins Val Fleons











Hinter der nächsten Ecke ist NICHT die Hütte.

Endlich Regen & Sturm

Wolayer-See vor der Seewarte


Die Lounge

Nur 10 Minuten, und schon taucht auf der italienischen Seite das Rifugio Lambertenghi auf.

Panorama-Blick auf den Wolayer-See. 

Abendstimmung: die Seewarte

Da drüben: Italien











Mittwoch, 18. September 2013

DISKREPANZEN (mir ist schwindelig)

Heute gehe ich auf eine Veranstaltung, wo es um "Gleichstellungspolitik" geht.

... und mir wird schon wieder ganz schwindlig von den Diskrepanzen um mich herum, so was das Bewusstsein angeht:

... die einen so: "Also, ich weiß gar nicht, was Du immer hast, ich bin noch nie diskriminiert worden!", die nächsten: "(* schmunzel schmunzel*) gell, das ist ein Thema für Dich (hö hö hö!)", die wieder anderen: "Gleichstellungspolitik ist totaler mainstream und unterstützt nur patriarchale Strukturen!", noch andere: "Diese Feministinnen wollen erzwingen, dass wir ALLE GLEICH WERDEN mit ihrem Genderwahn!", und noch die: "Was ist Gleichstellungspolitik??". Nicht zu vergessen die: "Gell, aber Du bist doch keine Emanze, also, äh, so extrem und so, gell?! ..." und die, auch ganz durchdacht: "Männer (vor allem weiß_hetero) werden auch benachteiligt!"

(P.S.: Also, das mit den patriarchalen Strukturen versteh' ich ja. Bloß geht das System ja nicht einfach weg, wenn ich es nur ignorieren. Alles andere versteh ich überhaupt nicht mehr.)

Ich mach' jetzt einfach, wie ich denk'.

Dienstag, 17. September 2013

Das Patriarchat ist zu Ende.




"Das Patriarchat ist zu Ende." bzw. "Il patriarcato è finito", so heißt es in italienischen Flugschrift "Rotes Sottosopra" (= Drunter und Drüber) von 1996 ("Sottosopra" heißt eine Reihe von Publikationen, die seit 1973 in loser Folge vom Frauenbuchladen Mailand herausgegeben werden)

Das Patriarchat soll also zu Ende sein? Eine schöne, jedoch reichlich naive Vorstellung, könnte man_frau meinen; die Realität sieht anders aus. Oder?

Eine Autorinnen, die Philosophin Luisa Muraro, erklärt dies folgendermaßen: "Wenn wir sagen, das Patriarchat ist zu Ende, dann sind wir uns darüber im Klaren, dass die kulturelle, soziale und rechtliche Realität noch anders aussieht. (...) Wenn man die Geschichte nur von außen, also soziologisch betrachtet, ist sie immer noch eine Geschichte des Elends.“ 

Luisa Muraro verschließt also keineswegs die Augen vor existierenden Realitäten, sondern versucht vielmehr, das Augenmerk zu verschieben: “Es geht darum, eine Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen, die symbolischer Natur ist, die im Denken stattfindet. (...) Das meinen wir, wenn wir vom Ende des Patriarchats sprechen: Es ist zu Ende, weil die Frauen nicht mehr daran glauben, weil sie ihm keinen Kredit mehr einräumen."


Lesen: 
(zweisprachig: Deutsch/Italienisch)

Anziehen:


Samstag, 14. September 2013

Chancengleichheit? Investieren.


In "Das alles und noch viel mehr würden wir machen, wenn wir Kanzler von Deutschland wär'n" (Hrsg. Peter Zudeick) liefert taz-Chefredakterin Ines Pohl einige interessante Ansätze, wie eine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit in der BRD befördert werden könnte. 

Denn auch wenn wir nach außen hin alle schon unheimlich emanzipiert sind (wie es uns beispielsweise Familienministerin Kristina Schröder weismachen will: Chancengleichheit ist noch längst nicht gegeben, orientieren sich doch immer noch viele Frauen, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen, an tradierten Rollen-Vorgaben:

"Deutschland befindet sich damit im Zustand einer unerträglichen Doppeldeutigkeit: An der Oberfläche ist das mit der unabhängigen Frau eine ausgemachte Sache. Strukturell aber ist das Land noch nicht einmal halb so emanzipiert, wie es denkt, dass es wäre. (...)"

Ines Pohl meint, es sei an der Zeit, in der "Real-Politik" endlich in Gleichberechtigung zu INVESTIEREN (anstatt lediglich in Sonntagsreden darüber zu schwadronieren.):

"Die Schuldenbremse wird aufgehoben." 

... und das geht so:

Minijobs werden abgeschafft
Mindestlohn von 9 Euro 
– Streichung des Ehegattensplittings
Kostenloser Kita-Platz für Kinder ab einem Jahr (inkl. hochwertiger Betreuung. Länder, die dies nicht leisten, müssen mit Strafzahlungen rechnen.)
– Flächendeckende 30-Stunden-Woche (inkl. vollem Lohnausgleich)
– Anhebung der Vermögenssteuer
– Aufwertung "weiblicher" Arbeit durch:
–– Erhöhung der Löhne von Pflegeberufen etc.
–– Entsprechende Ersatzleistung für Privatleute, welche Angehörige (Verwandte UND FreundInnen) pflegen_betreuen
–– 40-Quote für Aufsichtsräte und Vorstände
–– Boni für Spitzenmanagement werden gesetzlich gedeckelt
–– Geschlechtergerecht arbeitende Unternehmen werden bei öffentlicher Auftragsvergabe bevorzugt.

... hierbei spricht Ines Pohl einen wunden Punkt an: Maßnahmen wie die eingeforderte Quote entsprechen hauptsächlich Interessen der Mittel- und Ober"klasse". Dies darf nicht sein; hier muss der Diskurs erweitert werden.

Alles in allem eine brauchbare Basis für konkrete Forderungen, welche den theoretischen Diskurs keineswegs ersetzen, sondern BEGLEITEN müssen und sollen. Sowohl aus Auch. 

Übrigens: "ein gutes Leben für alle", auch bei Ines Pohl taucht diese Formulierung auf. :)

Freitag, 13. September 2013

FEMINISMUS. Unbehagen.

Zugegeben: der Titel ist lediglich ein Eye-Catcher. Ich empfinde gar kein Unbehagen gegenüber "dem Feminismus" (Den es ja, im Sinne einer homogenen Strömung_Gruppe_Partei, ohnehin nicht gibt). 

FUSSNOTE:
"Feminismus" ist eher sowas wie die Sicht auf die Welt aus *weiblicher Perspektive. Es bedeutet außerdem, Machtverhältnisse zu erkennen, und in Frage zu stellen. Das wäre meine augenblickliche Definition.  (*weiblich bezeichnet hier Menschen, die a) "weiblich" sozialisiert sind und_oder b) sich selber als "weiblich" bezeichnen. Wobei mir gleich wieder bewusst wird, dass Menschen, die beispielsweise "trans" sind, hier gleich wieder rausfliegen. :-/

Eh' klar also, dass solch ein Feminismus eine feine Sache ist. Für alle. "Gutes Leben für alle" und so.

Nein, um WAS es mir geht, ist eine bestimmte UMGANGSART in bestimmten Cliquen innerhalb des Feminismus, die ich nicht mehr ertrage.

Es ist dies eine Art, die permanent latent (oder oft auch gar nicht latent) besserwisserisch_herablassend_aggressiv daherkommt. 
Die mit genau JENEM Habitus von Herrschaftswissen und autoritärem Gehabe und Ausschluss-Erzeugung agiert, den sie eigentlich zu kritisieren vorgibt.
Die sich gegenseitig selbst zerfleischt.
Die bei Ereignissen_Phänomenen_Meinungen_Äußerungen regelmäßig AUSSCHLIESSLICH die Kritikpunkte heraussucht, und die besagte Sache dann in Gänze, kurz gesagt, "Scheiße" findet.

Da findet z.B. in Berlin Anfang September 2013 in Berlin eine Riesen-Demo gegen (Alltags-)Sexismus statt, mit zahlreichen Redner*innen, mit Musiker*innen wie Bernadette La Hengst, Doctorella, Dirk von Lowtzow, Sookee, etc. Eine tolle Sache. Soviel Präsenz. Soviel Sichtbarkeit. Soviel Energie! 

Dann passiert folgendes (nicht, dass ich es nicht geahnt hätte): tags darauf schreibt eine Bloggerin via eine (queer)feministische Internet-Platform (welche ziemlich meinungsbildend in diesem Kontext ist), weshalb sie so eine Demo irgendwie doch nicht so toll findet. Z.B. weil da auf der Bühne nur weiße Frauen/Menschen stehen. Weil so große Events doch nur den Mainstream bedienen. Und so weiter.

Bitte nicht falsch verstehen: die meisten Kritikpunkte aus der Bloggerin Text verstehe ich durchaus. Darum geht es nicht. Sondern es geht mir auch hier um diese herablassende Art, sich abzugrenzen, und Kritik eben NICHT konstruktiv anzuwenden. Sondern als Selbstzweck. Nein, nicht als Selbstzweck. Der Zweck erscheint mir nämlich wie reines Profilierungs-Bedürfnis. Hauptsache abgrenzen. 

In dem Text steht wiederum KAUM ein Wort des Respekts für die Wahnsinns-Arbeit, die die Organisation eines solchen Spektakels bedeutet. Eines Spektakels, welches (trotz aller berechtigter Kritik) eine Begeisterung und Energie freigesetzt hat, die gar nicht zu unterschätzen ist. Ich bin nämlich der Auffassung, dass solche Events keineswegs oberflächlich sind, von wegen "igitt, Massenveranstaltung" usw. Und ich bin sehr für "Mainstream", habe ich doch nicht die geringste Lust, mein Leben in einer separatistischen Blase zu verbringen. Das wäre mir wirklich zu wenig. In den Mainstream, genau da gehört das hin!

Ich möchte übrigens lieber keine Namen oder bestimmte Blogs erwähnen. Denn ich möchte nicht, dass das persönlich wird. Ich möchte niemandem "eine rein würgen". Das wäre furchbar und das werde ich im Falle sofort (Achtung, Wortwitz!) abbloggen. 

Ich würde nur gerne im Sinne einer gewaltfreien Kommunikation darlegen, dass mir das WIRKLICH WIRKLICH zu schaffen macht, diese Umgangsart. Dass es mich ärgert. Dass ich mir oft dumm vorkomme. Oder oberflächlich. Dass ich oft das Gefühl habe, NICHT mitreden zu können, obgleich ich doch genau das möchte. Weil ich teilhaben möchte.
Und es ärgert mich, dass ich auf diese, ja, letztlich autoritäre Art anspringe, mich davon ins Bockshorn jagen lasse!  

Mit ständiger Abgrenzerei und profilierungssüchtiger Mäkelei wird's nichts mit der EMANZIPATION. Oder mit der Auflösung der Herrschaftsverhältnisse. Und die ganzen Antifeministinnen, Rechten, maskulistischen Männerrechtler lachen sich auch noch ins Fäustchen.

Deshalb mal was ganz Verrücktes: 
Warum hören wir denn nicht erstmal einander zu, ohne gleich loszuschreien, wenn eine mal was noch nicht verstanden hat, nicht den korrekten Begriff verwendet, oder sich gar unsicher ist, und erst mal selber darüber nachdenken muss, ob und warum etwas sexistisch_rassistisch_homophob-etc. ist?

Und genau, warum versuchen wir, nicht öfter mal SELBER zu denken, anstatt mit Textbausteinen und auswendig gelernten Regeln um uns zu werfen, die wir vielleicht selber noch gar nicht kapiert haben? Oder nach denen wir uns dann gar nicht verhalten?
Warum können wir nicht öfter mal KONSTRUKTIVE Kritik üben, also z.B. sagen: "ja, finde ich echt super, und guckt mal, dies und das, das machen wir das nächste mal besser."





Warum können wir nicht respektvoll und empathisch und interessiert und wohlwollend miteinander umgehen?




"... es geht um den Dialog, der einen Zwischenraum schafft und ihn auch SEIN lässt – d.h. eine neue Logik der wechselseitigen Anerkennung." (Silke Kirch)

Doch. Wir können das. (Z.B. auf der denkumenta in vorarlberg, da ging das.) Statt ausschließlich ungefähr ALLES Bestehende in Grund und Boden zu kritisieren, und doof zu finden, werden wir anfangen, NEU-ZUBEGEHREN. nämlich * EIN GUTES LEBEN FÜR ALLE.

p.s. dieser Text ist sicherlich nicht völlig klar. Er ist an diversen Stellen unscharf. Er ist auch ein wenig polemisch. Er ist emotional. Er kann auch ergänzt oder verbessert werden. Ich mochte all das bloß nicht mehr für mich behalten. SO!


p.s.s. Noch eine Nachricht an die oben erwähnten Antifeminist*innen_Rechten_maskulistischen Männerrechtler*innen_Stammtisch-Konservative_Homophobe_Rassisst*innen_Nazis (hab ich jemand vergessen), die meinen, sie könnten sich durch Texte wie diesen in irgendeiner Weise bestätigt fühlen:

"(...) Verpisst Euch. Niemand vermisst Euch."*

(*in Anlehnung an die Lassie Singers.)


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Hier noch Links zu ein paar zum Thema passenden Begriffen aus dem "ABC des guten Lebens":

Differenz

Dazwischen

Intervitale Gespräche

Sowohl als Auch













Donnerstag, 12. September 2013

OUT OF TIME - der karnische höhenweg - ETAPPE 5

SONNTAG : 28. Juli 2013

ETAPPE 5

Von der  Neue-Porze-Hütte zum Hochweißstein-Haus (ca. 9 h)
via la Strada delle Malghe ("Almen-Weg")



Heute ist "der längste Tag". Also entweder mind. 8 Stunden nicht ganz einfacher Weg auf dem Kamm. Oder der easy-peasy-Alm-Weg auf der italienischen Seite, dafür mind. 9 Stunden (und die Höhenmeter sind diesselben!)
Ich hatte mich ja für den letzteren entschieden, Ru. wählt auch diesen. Ra. nimmt den Kammweg. Es ist alles kein Problem, denn es sind überall Leute unterwegs, falls was wäre.

Blauer Himmel, die Sonne scheint, mal wieder. Gemeinsam steigen wir (es ist 6:50!!) auf einer alten Kriegsstraße hoch zum Tilliacher-Joch (2094m), genau auf der Grenze, wo sich unsere Wege zunächst trennen. Den Almweg haben sie wohl vergessen auszuschildern, ist ja auch in Italien, von wegen "Friedensweg", und so schlagen wir erstmal den falschen Weg ein und müssen dann, als wir es bemerken, quer über die Almwiesen hinab zu einem breiten, bequemen Almweg steigen. 

Ein Schild: "Strada delle Malghe". Es ist wunderschön in der Morgenfrische. Es ist auch wunderbar, auf einem bequemen Weg einfach so dahinzuschreiten. Wir treffen auch Murmeltiere am Wegesrand, gar nicht scheu. Wir haben die ganze Zeit das Panorama der Dolomiten vor Augen und laufen den Höhenweg über die Almen entlang (diesmal tatsächlich ein Höhenweg ohne große Steigungen ... Wege über grüne Almen ergeben eine ganz besondere Weite, eine Dimension ... ich denke mir, ich guck jetzt mal NICHT auf die Uhr, von wegen, wie gut wir in der Zeit sind (weil die Strecke doch so lang ist). 

Wir passieren mehrere Almen (Malga Campobon, Malga Cecido, Malga Manzon, Malga Chiastelin) .... manchmal sausen Fahrradfahrer an uns vorbei, in der Ferne erkennen wir Leute, die uns folgen. Aber es ist eher ruhig. In der Ferne gen Osten sehen wir einen Sattel und ich denke: "ah, da müssen wir wohl hinüber", und das sieht ziemlich weit aus, aber es ist mir völlig egal. Ich sage nur, "alles mental".

Wir gelangen dann zur Malga Antola (1872m), schon im Walde; wir hatten von  Wandersfrau Gabriele gehört, dass man dort einkehren und sogar übernachten kann! Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir unser Tour sicherlich modifiziert. Wir bestellen eine italienische Jause mit Proschiutto, Salame e Formaggio e un Aranciata, und das ist alles ganz köstlich. Danach un caffé. Erster Blick auf die Uhr: Es ist 13:00 und wir sind 5 Stunden gelaufen. Wir freuen uns, weil wir um eine halbe Stunde schneller sind als der Rother Wanderführer.

Allora, wir machen uns wieder auf den Weg, erstmal über einen Waldweg, vorbei der Esel-Farm Malga Chivion, durch liebliche Wiesen und Wald-Pfade. Ru. meint, das sei ja wohl wie die Kulisse für einen Heimatfilm, sowas von idyllisch! Rechts von uns erhebt sich die imposante Wand des Monte Peralba. Und jetzt geht es endlich bergauf, Richtung Passo Dell`Oregone (Hochalp-Joch, 2280m). Irgendwann werden Wald und Bäume weniger, und die Wiesen sind voller Blumen. Ich beschließe einen neuen Trick: ich mache beim Bergauf-gehen keine Pausen mehr, ich steige einfach stur bergan, wie eine Lokomotive. Am besten schaue ich auch nur auf den Pfad vor mir und nicht voraus in die Höhe, damit ich nicht sehe, welcher Aufstieg noch vor mir liegt. Auch so voll mental.

Es wird noch ein recht langes steiles Stück. Die Baumgrenze liegt hinter uns. Wir werden von zwei österreichischen Radlern überholt, die ihre Räder hinaufTRAGEN (weil, zum fahren ist es ja viel zu schmal und zugewachsen). 
Irgendwann gelangen wir auf den Passe Dell'Oregone, umringt von Geröll, kargem Gras und Schneeresten. Wir haben es geschafft. Jetzt nur noch hinab zum Hochweißensteinhaus (1867m).

Diese Etappe war bisher die längste Wanderung, die ich je unternommen habe. Also, im Leben. Ich bin ziemlich stolz, dass wir etwas schneller sind, als im Rother Wanderführer angegeben (insgesamt ca. 9h 20 min, inkl. mind. 1 Stunde Pause!!). Und ich bin überrascht, dass ich natürlich erschöpft bin, aber nicht mehr, als bisher bei deutlich kürzeren Wanderungen.

Ich nenne diese Etappe, also die STRADA DELLE MALGHE, von nun an die "Königinnen-Etappe". Sie war ein ganz besonderes Erlebnis.

Auf der Hütte treffen wir die dritte Allein-Wanderin, die es mir vergönnt ist (ich kanns nicht anders sagen) auf diesem Höhenweg kennenzulernen. Maria, aus Oberösterreich, die den Vogel abschießt, da sie mit Ende 50 Wege geht, vor denen mir grausen würde. Ra. ist auch schon da, und ich bin erleichtert. Alles ist gutgegangen.
Am Abend checken wir mit zwei Mitwanderern sogar noch unsere Rückfahr-Gelegenheit aus. Fein!







Morgenfrische (6:50) Blick von der Neue-Porze-Hütte nach Nord-Osten Richtung Lesachtal

Kühe = Frühaufsteherinnen.

Auf dem Tilliacher Joch. Eine ehemalige Kriegsgrenze :-/
Die Strada delle Malghe auf italienischem Bundesgebiet hat man indesse vergessen, auszuweisen ...

... und deshalb versteigen wir uns gleich am frühen Morgen. 

Erst einmal hinab. Unten die Serpentinen des Almweges.


Murmeltiere (Le marmotte)




Die erste Alm.




Hier kurzes Päuschen-







Oben im Hintergrund der Passo dell'Oregone (Hochalpjoch)

Die Malga Antola :)

Mittagessen (il pranzo)

Kuh (la vacca)



An der Malga Chivion: Esel (i asini)

Der Monte Peralba.

Da hinauf.

Links das ist Türkenbund.




Oben am Passo dell'Oregone

Hinab zum Hochweißsteinhaus.

Das Hochweißstein-Haus.

Ein interkulturelles Konzept :)


Herumhängen am frühen Abend.

Dramatische Ausblicke auf den zurückgelegten Weg.