Freitag, 22. Juli 2011

SLUTWALK. JETZT AUCH IN IHRER NÄHE!

Am Samstag, den 13. August 2011
findet in D der erste bundesweite
SLUTWALK statt


FAQ 01
'Slut', das heißt doch 'Schlampe', wie, gehen da jetzt Frauen auf die Straße, weil sie das Recht haben wollen, sich schlampenmäßig und sexy anzuziehen? Und das soll feministisch sein??

... Ja, „Slut“ heißt „Schlampe“.
Zum Hintergrund dieser Bezeichnung sei folgende kleine Anekdote erwähnt: Im letzten Jahr empfahl ein kanadischer Polizeibeamter den „Frauen“, sich doch besser „nicht wie Schlampen anzuziehen, um nicht zum Opfer von sexueller Gewalt zu werden" ... daraufhin waren einige Leute überhaupt nicht amused und organisierten für den 3. April 2011 den ersten SlutWalk in Toronto. Die Idee fand seitdem diverse Nachahmer*innen. Und jetzt gibts das auch in Deutschland, gleich in mehreren Städten, u.a. Berlin und Frankfurt/Main.

... Nein, der Sinn ist nicht, dass „Frauen“ für das Recht auf (traditionelle) Sexyness auf die Straße gehen.

Sondern: die Idee ist, dass
ALLE – geschlechter- und altersübergreifend – gegen Diskriminierung, Sexualisierung und Grenzüberschreitung auf die Straße zu gehen.
Dabei geht es: um einen
respektvollen Umgang der Menschen miteinander und für Selbstbestimmung hinsichtlich Körper, Gender, Sexualität und Begehren. Ob das jetzt auf der Straße, in privaten Beziehungen oder am Arbeitsplatz ist.

FAQ 02
Ja, schön und gut, aber mal ehrlich, wenn Frauen im Minirock und so auf die Straße gehen, dann müssen sie halt damit rechnen, belästigt zu werden. Ich geh ja auch nicht nachts in den Central Park. So ist die Welt nun mal.

Mal Ehrlich, hier wird schon wieder das Faktische mit dem Normativen verwechselt,
also der Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand. Ich muss in der Tat damit rechnen, dass in einer unachtsamen oder gar feindseligen Umgebung meine Grenzen bis hin zu körperlicher und geistiger Versehrtheit verletzt werden. Und zwar nicht nur, wenn ich eine Frau bin. Eventuell auch, wenn ich „männlich“ bin. Oder wenn ich „trans“ bin. Oder Oder Oder.Ich muss damit rechnen. Ich muss mich schützen. Aber ich muss mich nicht damit abfinden. Denn wenn ich mich damit abfinde, dann stimme ich letztendlich, wenn auch widerstrebend, zu. Und SO soll die Welt nicht sein. Und so, wie die Welt gerade jetzt ist, muss sie auch nicht sein. Sie ist nämlich (Überraschung!) veränderbar!
Und, by the way, ist es nicht ganz schön sexistisch, (heterosexuellen) Männern pauschal zu unterstellen, sie könnten ihre Triebe nicht kontrollieren?


FAQ 03

Ja, aber muss ich mich da ”sexy“ anziehen, wenn ich mitlaufen will?? Hab' ich ja überhaupt keine Lust drauf'!

Keine Angst. Es besteht kein „Sexy-Dresscode“. Jeder/em von Euch bleibt es überlassen, wie Ihr Euch anzieht; wichtig ist, dass Ihr Euch wohlfühlt :)





Also, noch mal kurz & knackig: sogenannte Sexybekleidung ist weder Aufforderung zu noch Rechtfertigung von Übergriffen, ob verbal oder körperlich. Und diese Übergriffe sind nicht harmlos. Niemals. Und: NEIN HEISST NEIN.

Als
Mitorganisatorin des Frankfurter SlutWalks lädt BOUTIQUE VRENI TM Euch alle ein, mitzulaufen, für das Recht auf Selbstbestimmung und für Respekt.

WANN
: 13. August 2011 ab 15:00
WO
: „Kaisersack“, am Ende der Kaiserstraße, gegenüber des Frankfurter Hauptbahnhofs, FRANKFURT AM MAIN.

SlutWalk auf
FACEBOOK
more INFO zu SlutWalks bei
MÄDCHENMANNSCHAFT

Freitag, 8. Juli 2011

"DARF MAN DAS?"

Er tut`s schon wieder! Auch in diesem Sommer schreibt Deniz Yücel in der taz wieder seine Fußball-Kolumnen.

Und diese, ihres Zeichens allerbösartigste Satire, schmeißen so ziemlich alle Ressentiments und kleingeistigen Vorurteile zusammen, die mensch sich nur vorstellen kann: Rassismus, Sexismus, Homophobie, Alters-Feindlichkeit, alles, was Sie wollen ... und dies in derart überspitzter Form, dass man so manches Mal laut loslachen muss (Wenn z.B. bemäkelt wird, dass Birgit Prinz mal wieder "unsere" Nationalhymne nicht mitsingen mag, und zudem noch ein verkniffenes Gesicht zeigt).


Dann wieder bleibt einem das Lachen im Halse stecken: die reine Quantität dieser unappetitlichen Anhäufung von Stammtisch-Weltsicht lässt es einem buchstäblich hochkommen. Die Fußballerinen sind dann allesamt entweder "süße Babes" oder "Lesben mit schlechten Frisuren"; die nigerianischen Spielerinnen werden zu "Nigerinnen"; Birgit Prinz wird zu "Oma-Prinz", die orientierungslos über den Platz stolpert; und ob Silvia Neid denn doch nicht genügend "Eier" habe, da mal durchzugreifen (muss da nicht doch ein Mann her??).


So oder ähnlich geht es munter weiter, mit noch vielem mehr, einer ganzen Kanonade, und dies in Folge, denn bereits am 2. Juli gab es die siebte Folge mit dem schönen Titel: "Für uns oder für die Nigerinnen?" und man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Vielleicht beides.

Die Kommentar-Leiste auf taz-online platzt erwartungsgemäß aus allen Fugen; die meisten Leser*innen sind nicht "amused" ob soviel angehäufter Übelkeiten und sprechen Yücel die Satirefähikeit ab, viele drohen mit Abo-Kündigung; einige, gefühlt die Minderheit, sind begeistert ob der Schärfe der Satire und bemängeln die Humor- und Geistlosigkeit der Kritiker*innen.


Und ich, ich bin mittendrin. Ich weiß nämlich nicht so genau, was ich davon halten soll. Ob ich das gut finden soll, diese bösartige Satire (denn dass Deniz Yücel da nicht seine tatsächliche Meinung wiedergibt, davon gehe ich mal aus).


Auf der einen Seite halte ich (auch bösartige) Überspitzungen für ein gutes Mittel, um Ressentiments bloßzustellen; denn all das, was Yücel da beschreibt, findet sich in den Köpfen vieler (und oft nicht nur in den Köpfen) wieder. Und wir müssen nicht so tun, als wär ein unserer Gesellschaft schon alles ganz toll und tolerant und gleichberechtigt und so. Das ist nicht so.


Auf der anderen Seite ignoriert Yücel jegliche "political correctness"; das kann eine gute Sache sein, weil dann auch Dinge ans Licht kommen, die sonst ausgespart werden, etwa weil sie zu unangenehm und schmerzhaft sind; in diesem Falle sind das eventuell EIGENE Rassismen oder Sexismen, welche mensch selber mit sich herumträgt, die einem aber nicht unbedingt bewusst sind. Jedoch kann das Fehlen jeglicher "political correctness" auch zum Verlust von Respekt, Rücksicht und Einfühlungsvermögen fühlen. Platt gesagt, vielleicht finden es die nigerianischen Fußballerinnen nicht so gut, als "Nigerinnen" tituliert zu werden, und sei es auch im Dienste der Satire.


Denn es ist ja auch so, dass in Yücels Satire (denn die "Satire" will ich ihm zugestehen) alle diese Ressentiments auch ABGEBILDET werden, und zwar ohne Kommentar; und es stellt sich ein großes Unbehangen ein bei der Lektüre, besonders an Stellen, wo mensch zufällig mal selber betroffen ist; weil mensch dann vielleicht doch nicht in jedem Augenblick in der Lage ist, das jetzt als Satire zu verstehen bzw. zu erfühlen. Weil man das alles nicht mehr hören und lesen will, SELBST wenn es Satire ist; weil Ironie und Sarkasmus zwar wichtig sind, aber manchmal auch die Grenze zum Selbstzweck überschreiten. Denn (ähnlich wie die Strategie der steten Kritik an allem und jedem) kann auch eine ironische Haltung zu allem und jedem sehr schön zur eigenen Profilierung genutzt werden.


Erstaunlich ist auch, dass meines Wissens Yücel an keiner Stelle zu den gefühlten 5.000 kritischen Kommentaren Stellung nimmt (falls doch, bitte ich meine Unkenntnis zu verzeihen und freue mich über Hinweise); der ungebremste Kritik-Strom lässt jedenfalls darauf schließen.


Würde es dem Anliegen der Kolumnen denn wirklich so großen Abbruch tun, wenn Yücel an prominenter Stelle den Kontext erschließt? Wenn er sagen würde: "hey, ich weiß, das klingt alles krass, aber gerade das will ich ja offenlegen!".
Nein, ich denke, das würde es nicht. Im Gegenteil ist es längst überfällig; denn wer will schon (gerade als "linkes" Blatt) gerne die ganze Zeit falsch verstanden und als rassistisch und sexistisch tituliert werden; da geht doch was nach hinten los!
Außerdem: solange es da kein Statement gibt, kommt vielleicht doch der Gedanke auf, dass die Kolumnen reine Provokation um ihrer selbst Willen sind; und dass sie eigentlich gar kein Anliegen HABEN, außer eben 5.000 Kommentare zu fischen. Und das wär nun wirklich doof.
Also, Deniz Yücel, ein Satz genügt :)

Montag, 4. Juli 2011

BEGEISTERUNG?

Es ist 2011, und es ist wieder Fußball-WM. Die Frauenfußball-WM. Richtig viel Aufmerksamkeit bekommt sie, sogar ein Panini-Heft gibt es, zum ersten Mal mit Fußballerinnen und ich hab mir endlich eins gekauft. Natürlich bekommt sie nicht so viel Aufmerksamkeit wie eine normale Männer-WM; kaum Fahnen seh ich aus Fenstern und Autos ragen, Flachbildfernseher in jeder Eckkneipe sind Fehlanzeige, und die Spieltermine sind auch suboptimal; wer hat schon unter der Woche um 14 Uhr Zeit und Muße, Fernsehen zu gucken. Abendspiele gibt es wenige, und einige sind dann auch noch auf die Sparten-Sender ZDFinfo und Einsfestival geraten (Das muss in zwei Jahren anders werden, meine Lieben).

Aber dass das alles zwar schon viel besser, aber noch lange nicht optimal bzw. in der Gesellschaft angekommen ist, geschenkt. Es überrascht nicht, auch wenn mensch es im Auge behalten und daran arbeiten muss. Was jedoch ein wenig überraschend und traurig ist, dass dieses Ereignis auch bei vielen Frauen die Begeisterung in Grenzen hält. Ich möchte das nun auf keinen Fall verallgemeinern: für die EMMA war Frauenfußball immer ein favorisiertes Thema; die L-Mag hat in ihrer aktuellen Ausgabe ein ganzes Dossier darüber und Fatmire Bajramaj auf dem Cover; die pop-feministische "MISSY" hat eine eigene Beilage für ihr Magazin gemacht, und postet online Beiträge zum Thema; und Bloggerin Annina Luzie Schmid schreibt auf Facebook einfach "yeah, es ist Frauen-Fußball-WM" (liebe Annina, falls Du das liest, entschuldige das ungenaue Zitat, ich deine Original-Status-Meldung gerade nicht mehr finden :;)).

Also, es GIBT Begeisterung und Interesse, auf jeden Fall. Und das ist toll. Aber, hey. irgendwie ... könnte es mehr sein. Denn das gibt es leider auch: Statements von Frauen, die postulieren, dass sie Fußball nicht interessiert. Oder wohlwollendes Belächeln ("Was, Du schaust Fußball? Ist das jetzt ironisch?"), welches einem signalisiert, dass Fußball ja wohl total MAINSTREAM und damit total irrelevant und schnöde ist.

Hm. Nun bleibt es jedem/jeder unbenommen, Fußball uninteressant zu finden. Mich selber interessiert Fußball als solcher auch nicht wirklich (bei uns zuhause wurde nie Fußball geschaut, und weder Papa noch Bruder spielten jemals --> fehlende Sozialisation); selber gespielt habe ich es auch nie (wobei ich mir vorstellen kann, dass es irre Spaß macht; allein, mir geht stets nach 5 Minuten sowas von die Puste aus). Aber OBWOHL Fußball mich als solcher wenig kratzt, bin ich mir doch der sozio-politischen Bedeutung dieses Phänomens bewusst. Und ich sehe, was es für eine Riesenleistung aller Beteiligten ist, eine Fußball-WM auf die Beine zu stellen, wo FRAUEN Fußball spielen, und wo 18Millionen vor den Fernsehern sitzen; wenn man bedenkt, mit welchen abstoßenden Ressentiments fußballspielende Frauen zu kämpfen hatten und noch immer haben. Und dann ist so eine WM nicht mehr schnöde und belanglos; dann ist genau das Ankommen im Mainstream die Qualität der Sache.

Ich spare es mir, an dieser Stelle die zahlreichen Bedeutungsebenen und Facetten dieses Groß-Ereignisses zu skizzieren; ich möchte einfach nur darauf hinweisen, dass die gesellschaftliche Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann; und dass das Engagement der vielen Frauen und Männer, die international den "Frauen"-Fußball unterstützt haben, auch einfach mal gewertschätzt werden kann. Ein bisschen mehr Solidarität und Support wäre schön.

Mehr zum Thema im Blog "Papierschiffchen": "Das WM-Fieber steigt weiter"