Sonntag, 29. August 2010

GOLDENE WORTE NO. 4: KATE NASH

HEUTE MIT:
KATE NASH


... es ärgert mich auch, dass Frauen wie Lady GaGa und andere den Begriff [Feminismus. Anm. d. Aut.] verneinen, aber eigentlich doch feministisch auftreten und handeln. Aber wahrscheinlich liegt das daran, dass sie nicht genau wissen, wie sie Feminismus definieren sollen. Für mich heißt Feminismus schlicht: Gleichberechtigung. Natürlich kannst du viel lesen, dich über die Hintergründe unformieren und die Geschichte kennenlernen, aber das ist nicht nötig, wenn du weißt, dass Sexismus existiert. Wenn du an die Gleichberechtigung glaubst und gegen Sexismus bist, dann bist du Feministin.

KATE NASH in einem Interview mit der Zeitschrift Missy, 3/2010

Und hier ein aktuelles Video:

Mittwoch, 25. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen – THE END

6. und letzter Tag – Freitag, 6. August 2010

[ Clarahütte (2038m) -> Ströden (Bus) -> Virgen ]



Blick nach Osten ins Umball-Tal.


Es regnet noch immer, stetig vor sich hin. Aber irgendwie scheint dennoch die Sonne. Oben auf den 3000ern hat es geschneit.

Es gibt ein kleines Frühstücksbuffett; allerdings ist das Licht in der Gaststube ausgefallen. Stattdessen: Kerzen.

Abmarsch 10:15, zunächst über einen schwach abfallenden Pfad, der in einen steilen, unebenen Fahrweg endet. Die Vegetation ändert sich und wird üppiger. Weiter unten kommen uns vermehrt Wandergruppen entgegen, Besucher*innen des Umballfall-Schauweges, entlang der rauschenden Umball-Wasserfälle. Wir begegnen wieder Bergbekannten, nämlich der jüngeren Frau in Begleitung der drei älteren Herrschaften, die wir das letzte Mal vor drei Tagen oben an der Berger-See-Hütte trafen.


Ein Hüttchen unter einem großen Fels.


Der Umball-Schaupfad.


Pebell- und Islitzeralm, zwei "High-End"-Almen am Anfang des Wasserfall-Schaupfades. Die Bedienungen tragen Trachten. Das sagt alles. Es schaut aus wie aus dem Bilderbuch. Allerdings einem sehr schicken Bilderbuch. Trotz meines leicht verlotterten Äußeren erhalte ich eine sehr nette Auskunft bezüglich der Busverbindungen vom Tal-Ort Ströden nach Virgen. Der Kellner ermutigt uns, den Bus um 11:45 noch zu erreichen, und wir rasen los, den breiten, bequemen Fahrweg ins Tal. Kurz vor Ströden begegenen wir wieder der 6er-Gruppe von Höhenweg. Irgendwie rührend!

Wir erreichen die Bushaltestelle nach 20 Min. anstatt der angeschriebenen 35 Minuten, und gondeln mit dem Bus ins Tal, Ziel Gasthof Panzl, Virgen.


Zurück in der Zivilisation: Der Bus nach Virgen.


Hier beziehen wir sogleich die zwei vorbestellten Räume. Und machen uns erstmal locker. Die Bergschuhe kommen auf die Fensterbank zum Lüften. Alle anderen Kleidungsstücke werden ausgezogen und im Bad zwischengelagert (auch hier ist Sicherheitsabstand geboten!). Das Bad. Gleißend weiß und riesengroß. Es hat eine Dusche; es hat eine BADEWANNE. Um Wanne und Waschbecken sind weiße dicke Handtücher und Seifenpäckchen drapiert.

BADEWANNE

Jetzt in neue Klamotten. Funktionsklamotten sind vorerst nicht mehr angesagt. Noch ein bisschen auf dem Bett herumliegen.


Blick aus dem Fenster von Gasthof Panzl, Virgen.


Halb zwei: Natürlich wollen wir jetzt noch ein wenig Zivilisation haben (sprich: Shopping-Möglichkeiten). So fahren wir in die Landeshauptstadt Lienz, eine gemütliche Dreiviertelstunde nach Süden. Wir stellen das Auto in einer Tiefgarage ab, und gehen in den nächstbesten Imbiss, der, dies zum Thema Flair, auch in Offenbach sein könnte. Egal. Hier gibt es die GALA und andere österreichische Starmagazine zu goutieren.


Der Hauptplatz von Lienz.


Lienz ist ein Städtchen mit einem Hauch italienischen Flairs. Immerhin ist es ja auch nicht mehr weit bis zur italienischen Grenze. Auf den Straßen hört man auch viel Italienisch (Das Virgental war ja eher holländisch geprägt, eine Sprache, von der ich, wie ich feststellen musste, KEIN einziges Wort verstehe. Außer "Hallo", vielleicht)

Südlich von Lienz erheben sich die Lienzer Dolomiten. Eine Seilbahn hat es hier, die aber um 17 Uhr schon zumacht. Und die vorgelagerte Festung Schloss Bruck, von der hübsche Fahnen wehen. Heute ist sie ein Kunst-Museum, natürlich mit Café und Museumsshop.


Die Isel


Wir laufen ein wenig herum, finden die Altstadt, und laufen, oder sollte ich eher sagen, wandeln an der Isel entlang mit einem Abstecher auf die Festung (Shop!). Auf dem Rückweg bestaunen wir mehrere architektonisch interessante Häuser.

Wir fahren wieder nordwärts in unser Virgental und unseren Gasthof. Abendessen, mit einem Sekt-Aperitiv. Sehr mondän. Danach ein letzter Cigarillo und Enzian in der Bar.

ENDE

Freitag, 20. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen. TEIL 5

5. Tag – Donnerstag, 5. August 2010
[ Neue Reichenberger Hütte (2588m) -> Clarahütte (2038m) ]




Blick nach Süden ins Trojer Tal.



Morgens um 7 Uhr der erste Blick aus dem Fenster. Es ist alles weiß. Nebel. Kreisch! Wie sollen wir so den Weg finden, wenn wir nichts sehen? Was, wenn wir uns versteigen?? Na, gut, dass D. einen, äh, Kompass dabei hat. Man müsste dann nur noch wissen, in welche Richtung genau man muss ...







Später bricht der Nebel etwas auf. Wir gehen los um 9:30. Vorher kaufe ich mir noch eine Anstecknadel: ”Förderer-der-Bergwacht-Prägraten“. Sehr cool. Alle Regenklamotten werden angezogen. Der Rudi-Tham-Weg geht zunächst recht lange eben dahin, manchmal auch leicht bergan. Im Nebel tauchen manchmal Wasserfälle und Schneefelder auf. Sehr mystisch. Runter ins Tal kommen wir ja so nicht! Dafür gibts an der Daber Lenke (2631m) nochmal einen Stempel in einer Kiste.



Mystische Ausblicke am Rudi-Tham-Weg.

Irgendwann biegt das hohe, schroffe Tal nach rechts, nach Süden ab. Und wird immer steiler. Das Dabertal. Der schmale Pfad windet sich auf sehr steil abfallenden Grashängen entlang, ohne dass es merklich bergab ginge. Immer wieder sind schmale Rinnen von Bächlein oder Erdmoränen zu queren. Irgendwann geht der Steig sogar wieder bergauf, und die Hänge werden noch steiler. Habe ich erwähnt, dass es die ganze Zeit regnet? Zur Linken in der Tiefe rauscht der Großbach, bisweilen von Restschneebrücken überspannt.



Weit unten in der Schlucht des Dabertals:
Schneereste, die wie meterdickes styropor aussehen.


Jetzt ist der Weg auch noch versichert; ein schlabberiges Drahtseil, das sich in Kniehöhe am Hang entlangschlängelt, so dass ich mich bücken muss, und das mir sofort "Gefahr!" suggeriert.
Es regnet unaufhörlich, meine Brillengläser sind nass, und meine Waden wollen gar nicht mehr bergauf gehen. Ich fluche innerlich, und versuche, das schmale, nasse und glitschige Pfadstück so schnell und konzentriert wie möglich hinter mich zu bringen. Jetzt bloß nicht ausrutschen, dann wär man weg. Zerschmettert in der Schlucht! Kreisch!) ... das ist das bisher gefährlichste Stück der ganzen Tour, wer hätte das gedacht.

... Der Pfad wird wieder moderater, und endlich endlich erreichen wir den Abzweig ins Umballtal, den wir schon die ganze Zeit von weitem sehen konnten. Dazu müssen wir zur Isel heruntersteigen, eine kleine Metallbrücke überqueren, um auf der anderen Seite wieder ein paar Meter hinauf auf den Wanderweg zur Clarahütte zu gelangen. Wir erreichen sie auf ebenem Wege nach 20 Minuten, begleitet von einem Paar schwarzer Schafe.



Endlich erreicht: Die Brücke über die Isel im Umballtal

Die Clarahütte (2038m): ein flaches, einstöckiges Häusschen, an den Hang geschmiegt. Davor Sonnenschirme. Aber es regnet ja immer noch in Strömen. Drinnen in der Gaststube haben sich dennoch eine ganze Reihe unverzagte Wander*innen eingefunden. Ich ziehe möglichst viele nasse Sachen aus und versuche, sie diskret um unseren Tisch herum zu drapieren. Wir nehmen dann auch schon mal unser Lager in Beschlag. Es gibt gratis Ohrstöpsel, sehr fein!



Die Clarahütte (2038m)

Schlipfkrapfen in brauner Butter mit Schnittlauch. Köstlich!
Es regnet. Und regnet. Und regnet. Unsere Sachen sind feucht und klamm. Dennoch hält es mich irgendwann nicht mehr in der Hütte. Ich schlupfe in nasse Socken und Schuhe und melde mich ab für einen frühabendlichen Spaziergang. Ich folge der Isel flussaufwärts. Das Flusstal weitet sich und wird flacher. An den Hängen grast weißes und schwarzes Getier. Alles leider eher Schafe als Gemsen oder gar Steinböcke. Selbst die würden nicht so dämlich sein, und sich bei solchem Wetter vor die Tür wagen!

Nach einer halben Stunde führt der Pfad links über eine weitere Brücke über den Fluss. Hier teilt sich der Weg. Auf einem Felsen steht in weißer Farbe gepinselt: "zum Gletscher". Gemeint ist der Umballkees unterhalb der Dreiherrenspitze südlich des Großvenediger. Das klingt verheißungsvoll, und ich folge dem "Gletscherpfad" noch ein Weilchen. Aber es ist einfach zu weit, und die Steige unter meinen Füßen haben sich mittlerweile in kleine Bächlein verwandelt. Vom Gletscher bekomme ich leider nichts zu Gesicht. Ich kehre um. Es ist auch Zeit fürs Abendessen.


Spaghetti Bolognese. Und dazu ein Bier. Ein Traum! Wieder Cigarillo-Pause vor der Hütte, unter einen kleinen Zeltdach. Die beiden Hüttenwirtinnen gehen stündlich nach draußen, zur Zigarettenpause, und um ihren Hund an die frische Luft zu bringen. Viel raucht man eh nicht bei der Witterung, brrrr.


Umsteigen von Bier auf Rotwein. Und Schachspiel. Ich habe seit 25 Jahren nicht mehr gespielt, und so bin ich recht stolz, dass es bei der dritten Partie dann doch ziemlich lange dauert, bis ich verliere.


Übernachtung im Lager. Dank meiner mitgeführten Wachs-Ohropax höre ich fast gar nichts. Außer uns gibt es noch drei Mitschläfer. Einer der dreien darf/muss jedoch ins andere Lager. Wahrscheinlich schnarcht er. Fein.

[ Fortsetzung folgt. Versäumen Sie nicht den nächsten, 6. und letzten Teil der dramatischen Berg-Saga! ]

Mittwoch, 18. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen. TEIL 4

4. Tag – Mittwoch, 4. August 2010 [ Bergersee-Hütte (2182m) bis Neue Reichenberger Hütte (2588m) ]



8 Uhr Morgens: Bei dem Kindergetümmel bleiben die Augen nicht lange geschlossen. Aber eigentlich macht es uns schon gar nichts mehr aus. Wenn man jeden Abend um Halb 10 ins Bett geht ...


Blick nach Osten vom Muhs-Panoramaweg.

Strahlend blauer Himmel. Die Berge wie frisch gewaschen. Muhs-Panoramaweg ins nächste Tal, das Lassnitzental. Dort, fast vom Talgrund, steil hinauf über Almen mit schönen Disteln, zum Abzweig des Lasörling-Höhenwegs.


Eine steile Hochalm mit zahlreichen Distel-Sträuchern.

Hier ist die Vegetation schon wieder karg und hochalpin. Noch drei Stunden bis zur Reichenberger Hütte, sagt der gelbe Wegweiser.


Wieder erreicht: der Lasörling-Höhenweg.


Hier wächst nicht mehr viel.

Weiter hinauf über die Michltal-Scharte zum weiläufigen Kleinbach-Boden oberhalb des Kleinbachtals. Ein liebliches Hochtal, mit kleinen Flussläufen, Blumenwiesen mit Frühlingsenzian ... auf der gegenüberliegenden Seite überragt vom scharfen Zinken der Gösles Wand (2912m).



Der Kleinbach-Boden mit der Gösles Wand (2912m)

Jause (= Brotzeit) bei einer Ansammlung großer, flacher Felsbrocken. Hier tummeln sich zahlreiche Murmeltiere, soviel und so nah, wie ich sie noch nie gesehen habe. D. findet sie unwiderstehlich niedlich. Ich verstecke mein zwei Tage altes Käsebrötchen zwischen den Felsen, da werden sich die Murmel freuen, und ich bin es auf sinnvolle Weise losgeworden.




Hinauf zur letzten Scharte für heute, der Roten Lenke (2794m), so benannt, weil hier rötliches Gestein auftritt. Drumherum Geröllfelder von weißem Gestein, kleine Stifte, die an Bauklötze erinnern. Und so haben sich auch einige Vorbekommende vor uns kreativ betätigt, und auf flachen Felsen aus diesen Bauklötzchen hübsche Bodeninstallationen angefertigt.


Weil wir vom bisher zurückgelegten Weg noch nicht genug bekommen haben, und übermütig sind, steigen wir von der Roten Lenke noch den Pfad zur Gösles Wand herauf. Auf einem vorgelagerten Sattel bleibe ich sitzen. Meine Beine fühlen sich nun doch langsam wie Wackelpudding an. D. geht die letzten Meter bis zum Gipfel (oben gibt es statt Gipfelkreuz einige Panoramatafeln, wie er berichtet. Das Kreuz haben sie merkwürdigerweise auf einen Nebengipfel gestellt, dessen Nordwand, von meinem Sattel gut sichtbar, schrecklich steil in die Tiefe geht. Sieht wahrscheinlich von weitem besser aus.


Ich schenke mir also den Gipfel der Göslewand und weide mich am Panoramablick. Von hier hat man einen Weitblick auf ferne Dolomitengipfel.



Blick nach Süden, am Horizont Dolomitengipfel.

Der Abstieg geht jetzt immer schneller. Ich bin überhaupt die Berg-Abstiegs-Spezialistin! Vor uns im westlichen Hochtalboden der Böden-See und die Neue Reichenberger-Hütte (2588m), eine imposante dreistöckige Alpenvereinshütte. Hier treffen wir wieder auf die 6er-Gruppe, der wir schon am ersten Tag begegnet sind.



Der Böden-See, dahinter die Neue Reichenberger Hütte ( 2588m)



Von der Südterrasse erstreckt sich der Blick hinab über eine relativ schroffe Kante, über die ein Weg ins Trojer-Tal und weiter ins Defreggen-Tal führt. Ein spektakulärer Ausblick. Kuhherden weiden friedlich auf den niedriger gelegenen Almen, Kuhglocken bimmeln lieblich in der Abendstimmung.


... Nun, so lieblich ist es eigentlich gar nicht, in fast 2600m Höhe. Dann doch recht kühl. Am Abend draußen auf der Terrasse der abendliche Zigarillo. Am Nebentisch kochen einige Holländer*innen Wasser in einem Wasserkocher und brühen sich Tee auf. Nicht ganz unaufwendig, aber warum nicht.


[ Fortsetzung folgt ]

Montag, 16. August 2010

GOLDENE WORTE NO. 3

HEUTE: ISABELLA ROSSELLINI

"Man spricht so viel von den Falten und nicht von der Freiheit, die man gewinnt, nachdem man ein Leben damit verbracht hat, den Eltern, der Berufswelt, oder sich selbst zu beweisen, dass man jemand ist"
Interview mit der italienischen Ausgabe der "Marie Claire".


Tja, Frau Rossellini ist nicht nur klug, sondern auch noch kreativ und witzig. Hier ihre Video-Reihe Green Porno, in der Rossellini mittels gebastelter Pappkostüme die sexuellen Gewohnheiten in der Tierwelt erklärt. Entzückend!


Samstag, 14. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen. TEIL 3

3. Tag Dienstag, 3. August 2010 [ Lasörling-Hütte bis Berger-See-Hütte ]




Es regnet nicht mehr, Gott sei Dank.
Es ist nur wechselnd bewölkt. 8 Uhr Frühstück. Ein Aufsteller auf dem Tisch bittet höflich, das Frühstück nicht als Proviant mitzunehmen (Stattdessen wird ein Lunch-Paket für 4 Euro angeboten). Ich steck mir trotzdem ein Pasteten-Dösschen ein (haltbar bis 2012). Wär ja noch schöner!


Abmarsch 8:45. Was für eine unchristliche Zeit! Sanfter Anstieg über Grasmatten und Geröll. Rechts alsbald der Abzweig zum Berger Törl (ca. 2800 m) (Wir haben uns die Etappe von der Lasörling- zur Neuen-Reichenberger-Hütte auf zwei Tage aufgeteilt, und machen einen Schlenker über die Berger-See-Hütte). Leicher Nieselregen setzt ein und vom Tal aufsteigender Nebel. Das letzte Stück bis zum Übergang Berger Törl wird recht steil, die letzten Meter braucht man sogar Hände und Füße, der Pfad ist mit Seilen versichert.

Oben auf dem Berger Törl ein hochalpines Panorama. Nur noch Geröll. Blick ins Zopatnizental. Rechts ein schroffer Grat aufsteigend zum Kleinen Lasörling (3055 m). Kleine Schneefelder. Es ist grandios. Etwas weiter talwabwärts, unterhalb des Steigs ein See, milchig grün, und teilweise mit Eisschicht, arktisch. Wunderschön.




Blick vom Berger Törl (ca. 2800m) ins Zopatnizental.

Der Pfad führt steil hinab, größtenteils nur noch an den rot-weißen Markierungen erkennbar, die über große Gesteinsbrocken führen. Wir passieren eine Vierer-Gruppe, die wir von der Lasörling-Hüttem kennen, eine Frau in meinem Alter mit drei etwas älteren Herrschaften. Weiter unten führt der Weg entlang eines Bachs, der sich recht steil hinter durch einen Kamin gegraben hat (wieder versichert).



Durch diesen Kamin führt der Steig hinab zur Berger-See-Hütte (2182 m).


Die Berger-See-Hütte
(2182 m) und den See sehen wir schon die ganze Zeit. Am Ufer Wollgras. Unnatürlich grüne Moospolster, „... wie in 'Herr der Ringe'", meint D.




Moospolster und Wollgras am Berger-See.


Die Berger-See-Hütte. Ein niedliches 6-er Zimmer, Stockbetten, 1,80 lang. Auf jedem Bett ein Betthupferl.

Nachmittag: Ein holländischer Berg-Wander-Verein ist angerückt. Eine riesige Gruppe Erwachsener und Kinder. Werden sie die wirklich alle unterbringen? Sie werden. Um halb drei gehen wir los, für einen kleinen Nachmittagsgipfel, den benachbarten Berger Kogel (2656 m).
Bergauf nehme ich jetzt immer die Wanderstöcke, da schnauf ich stets ganz schön. Bergab bekommt D. sie, denn meine Knie sind widerstandsfähiger. Angenehm und schön geht der Steig über Bergwiesen bis zur Bergerscharte (2500 m). Hier wieder das tolle Hinweisschild: „Kernzone" (des National-Parks 'Hohe Tauern'". Klingt wie „Todeszone“, grrrr ...



Die Todes, äh, Kernzonen-Grenze des Nationalparks
"Hohe Tauern" an der Berger Scharte (2500m)



Auf dem Gipfel dann eine großartige Panoramasicht. Im Tal die kleinen Straßen und Häuslein des Virgentals, die Orte Prägraten, Wallhorn, Bobojach, Virgen und wie sie alle heißen. Gegenüber die südlichen Seitentäler des Venediger-Massivs. Die Sajat- und die Eisseehütte sind mit bloßem Auge zu erkennen. Die Aussicht ist erhaben und berührt die Seele.



Blick nach Norden auf die Seitentäler der Venediger-Gruppe


Abstieg über den sehr steilen und gerölligem Direktabstieg nach Norden. Vorher ein Power-Energie-Riegel, und etwas in die Tiefe starren zur Gewöhnung. Weiter unten, am Wetterkreuz (2153 m), macht der Weg einen Knick zurück ins Tal und wird ziemlich eben.



Direkt-An-/Abstieg des Berger-Kogel (2656m)


Oberhalb des Steigs eine kleine Holzhütte, der Eingang mit einem Hirschgeweih geschmückt. Drinnen sitzt einer. Vermutlich ein ”Artist-in-Residence" ... ab jetzt nur nochentlangtrotteln auf dem Panoramaweg zurück zur Bergersee-Hütte. Kleine Lärchenbestände, und Bacheinschnitte, zum Teil mit erdigen Altschnee-Resten überspannt.

Abends bin ich wieder fix und fertig. Ich bestelle „Kasspatz'n“ und esse die ganze Portion auf, zum ersten Mal im Leben. Bin mächtig stolz! ... Der dritte Hüttenabend. Jetzt fangen wir an zu spielen, was ich sonst nie tue! Eine Partie „Kniffel" und „Mensch-Ärger-Dich-Nicht!“.

[ Fortsetzung folgt ]

Mittwoch, 11. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen. Teil 2

2. Tag – Montag, 2. August 2010



Auf der Zupalsee-Hütte (2346 m) gibt es Frühstück bis 12:00. Für eine Hütte in den Bergen regelrecht dekadent. Ich habe unruhig geschlafen. Die Hüttenwirtin meint: der Herzrhythmus. Sie verabschiedet uns mit den Worten „Vergelt`s Gott, tausendfach!


Weiterwanderung Richtung Lasörling-Hütte. Schwach ansteigender Pfad über grüne Matten, die in weiten Wellen liegen, sanft und groß. Abstecher zur Merschenhütte im Steinkaastal, dazu müssen wir ein paar Meter runter steigen. Hier gibt es Buttermilch und Käse, alles, was sie selber herstellen. Die ältere Sennerin sieht aus wie unsere Großtante Luise aus dem Ennstal/Steiermark.



Die Merschenhütte, eigentlich eine bewirtschaftete Alm
im Steinkaastal.



Wieder bergauf auf der nächsten Kuppe weicht das grün langsam grauem Geröll.



Weg Richtung Lasörling-Hütte


Von der Scharte „Merschenhöhe" (2499 m) Blick auf den Kosachkofel und eine gewaltige Bergkante, die ausschaut, als würde es dahinter steil ins Mullitztal abfallen. Der Kleine-Lasörling-Gipfel (3055) erhebt sich über dem Panorama und sieht schroff und abweisend aus.



Blick auf den Kosachkofel, dahinter abfallend das Mullitztal.
Im Hintergrund die Spitze des Kleinen Lasörling (3055 m)


Es geht hinab in den nächsten Hochtalkessel. Die Lasörling-Hütte (2350 m) ist achteckig. Bedeckt mit geflammten Holzschindeln. Rot-Weiße Fensterläden. Sie steht auf einer Anhöhe und man denkt an den Himalaya.



Die Lasörling-Hütte (2350 m) im Hochtalkessel
des Mullitz-Tals



Die Zimmer: Unregelmäßige Ecken. Ein kleines Fenster. Betten mit Fußende, schlecht für D. Auf dem Nachttisch Alpin-Magazine. An der Wand ein Schild, das uns verkündet, dass es Frühstück nur BIS 8 Uhr gibt. Muss das sein? Nachmittags zieht sich der Himmel zu, es wird regnerisch. Ich leg mich ins Zimmer ins Bett.


Abend: Es regnet. Manchmal donnert es. Aus dem Tal steigen bisweilen wilde Nebel empor. Irgendwann gibts einen Regenbogen. Ich befürchte, dass wir morgen früh wegen des schlechten Wetters nicht weiterkönnen. Ich bin furchtbar müde. Es ist erst 20 Uhr.





[ Fortsetzung folgt ]

Montag, 9. August 2010

TAKE ME HIGHER! – Der Lasörling-Höhenweg in Osttirol, nebst Abwegen. Teil 1

1. Tag – Sonntag, 1. August 2010



Blick auf die Venediger-Gruppe


Schönes Wetter. Klare Luft. Warm. Mit dem Hüttentaxi ("Familie Tschoner") vom Talort Virgen (ca. 1200 m) fahren wir, D. und ich, über eine schlaglochübersäte Piste hoch zur Wetterkreuzhütte (2185 m). Das Panorama von hier oben ist überwältigend (Ist es computer-animiert?). Die Venediger-Gruppe mit ihren Gletschern. Die Großglocknergruppe im Nordosten.


Ich am Legerle (2527)


Über das Legerle (2527 m) steigen wir an zum ersten Gipfel, dem Griften (2720 m). Von hier über einen Kammweg zum Donnerstein (2725 m). Rechts das Virgen-Tal mit seinen seitlichen Hochtälern, zur linken steilabfallende Hänge in das Deffreggen-Tal.


Blick vom Griften (2720 m) auf den Donnerstein (2725 m)


Ein steiler Pfad führt uns hinab auf den Höhenweg und ein Stück zurück zur Zupalsee-Hütte (2346 m), unserer ersten Station. Gelegen am kleinen Zupal-See, in dem sich pittoresk die Hütte spiegelt, umrahmt von hübschem Wollgras. Ein erstes Radler auf der Terrasse. Die Fliegen sind ganz langsam, entweder weil die Luft so dünn ist, oder weil sie so gerne am Bierglas nippen.


Wollgras vor dem Berger-See (2346 m).
Links oben im Anschnitte die Hütte



Übernachtung: Ein Zwei-Bett-Zimmer mit Waschbecken (!) und Handtüchern (!!) (Bin enttäuscht! Wollte doch mein Funktions-Handtuch in Betrieb nehmen!). Dusche gibt es auch, und sogar einen hütteneigenen Fön, den ich leichtsinnigerweise noch nicht zu benutzen gedenke, weil ja noch weitere Hütten und Haar-Wasch-Gelegenheiten folgen (har! har!).

Abends in der Stubn:
Schnitzel mit Erdäpfel. Grässliche Schlagermusik im Radio, die uns zu Begeisterungsstürmen hinreißt, zum Glück nicht allzu laut. Wir unterhalten uns mit zwei Jungs (will heißen, in unserem Alter, was meint: 36 und 40 Jahre), die den Lasörling-Höhenweg auch gehen. Allerdings sind deren Etappen geringfügig länger. Eher so 10 Stunden am Tag. Einer der beiden wohnt in Oberursel und kennt eine Freundin von mir aus Offenbach. Unfasslich! Am Nebentisch eine 6er Gruppe, der wir in den nächsten Tagen noch öfter begegnen werden.

[ Fortsetzung folgt ]