Montag, 28. Juni 2010

Frauen an den Ball - nützliche Tipps!

Also: Frau Van der Vaart macht mit dem Slogan „Frauen an den Ball ...“ nämlich Öffentlichkeits-Arbeit für die Frauen-Fußball-WM der 2011 in Deutschland. Denken Sie. Ist aber nicht ganz so. In Wahrheit gibt die prominente Spielerfrau Ihnen als FRAU Tipps, wie Sie zielsicher während der WM DIE MÄNNER auf sich aufmerksam machen. Denn: bekanntlich haben DIE MÄNNER während der Herren-Fußball WM nichts anderes im Sinn als eben, ja, Fußball. Alle anderen Objekte werden in dieser Zeit von der Wahrnehmung einfach nicht erfasst. Und das ist natürlich gravierend für DIE FRAUEN, denn DIE FRAUEN haben generell bekanntlich nichts anderes im Sinn, als von DEN MÄNNERN wahrgenommen zu werden.

Doch keine Sorge, Frau van der Vaart hat sich, vermutlich aus eigener leidvoller Erfahrung, eine ganze Reihe von nützlichen Tipps erarbeitet, die Sie Ihnen als FRAU nicht vorenthalten möchte. Da gibt es den recht anspruchsvollen Ratschlag, sich Fußball-Begriffe wie „Abseits“ oder „Schwalbe“ anzueignen, um DEN MANN zu beeindrucken. Hier meinen wir: Vorsicht. DER MANN wird sofort durchschauen, dass Sie sich in Wahrheit überhaupt nicht mit Fußball auskennen. Denn Sie sind nun mal eine FRAU (müssen wir noch mehr sagen?).


Einfacher und erfolgversprechender sind folgende Tipps: Versuchen Sie, DIE MÄNNER durch Äußerlichkeiten in den Bann zu ziehen: „Kurze Shorts und enge Oberteile dürfen da auf keinen Fall fehlen.“ Sie wissen ja, wie DIE MÄNNER sind ... und passen Sie sich an. Trinken Sie Bier anstatt immer nur diesen Prosecco. Das wird Ihnen nicht schmecken (ha ha, schon wieder ein Wortwitz!), aber bedenken Sie, ob es das Ihnen wirklich wert ist: das Beharren auf Ihren eigenen Geschmack, aber damit riskieren, von DEN MÄNNERN nicht wahrgenommen zu werden! Na, wir meinen, da fällt die Entscheidung aber leicht! ... dass Sie Bier gerne trinken, ist ja eher unwahrscheinlich, denn: genau! Sie sind ja EINE FRAU.


Und dann noch folgendes: Äußerungen wie „Ist doch nur ein Spiel“ oder „Dabei sein ist alles“ sind nun wirklich unter der Gürtellinie. Es sollte klar sein, dass Sie damit nun wirklich JEDEN MANN verprellen. Selber schuld! Dass Sie das als FRAU denken, steht außer Frage. Bekanntlich interessiert sich KEINE FRAU für Fußball. Hingegen interessieren sich ALLE MÄNNER für Fußball. Von Ihrer Seite ist also Zurückhaltung gefragt. Das steht Ihnen als FRAU ja auch gut. DIE MÄNNER werden es Ihnen danken.
Viel Erfolg!

Aus: inside – das starmagazin, Printausgabe 07/2010

„Bore Out“ – ein neuer Geheimtipp?

Burn-Out ist ja mittlerweile ein alter Hut. Also dieses Syndrom, dass man vor lauter Stress und Arbeit irgendwann nicht mehr kann und dann zusammenklappt. Aber gut ankommen tut's immer noch. Unlängst erst hat die erfolgreiche Kommunikations-Wissenschaftlerin Miriam Meckel ein Buch über ihren eigenen gar nicht so lange zurückliegenden Burn Out geschrieben. (Bleibt nur zu hoffen, dass sie mit dem sofortigen Schreiben eines Buches nicht sofort den Weg für ihren nächsten Burn Out bereitet hat ...)

Das Gute an so einem Burn-Out ist ja, dass man immer sagen kann:„Ich bin zusammengebrochen, weil ich vorher soviel gearbeitet habe.“ .... „WEIL ICH VORHER SOVIEL GEARBEITET HABE.“ Ja, brav! Viel gearbeitet! Das hört man gern. Dann wird ein Burn-Out zu so etwas wie einer Heldentat. Na, dann erholen Sie sich mal gut, bisschen kürzer treten schadet ja nicht. Aber, ne, irgendwann isses auch wieder gut! Dann aber wieder ranklotzen!


Der Bore-Out ist ja, was seine Ursachen angeht, das genaue Gegenteil. Hier führen nämlich Langeweile und Unterforderung im Job zu Krankheitssymptomen wie Schlafstörungen, Depressionen oder psychosomatischen Erkrankungen. Klingt natürlich nicht ganz so gut, wenn man darüber jammert, zu wenig zu tun zu haben, und sich bei der Arbeit zu langweilen. Und dass dies auch noch zu ernsthaften Beschwerden führen kann, das soll noch einer ernst nehmen! Wenn man keine Beschäftigung hat, macht man sich eben welche: z.B. den Aktenschrank umwerfen und alle Akten durcheinanderbringen. Oder mal eben „aus Versehen“ die Festplatte formatieren. Da wird Ihre Unterforderung aber mal ganz schnell in ÜBERforderung umschlagen! Und das prestigeträchtige Burn-Out winkt auch wieder. Bore-Out, Du bist doch was für Faulenzer!

Lesen Sie hierzu auch in Spiegel-Online

Sonntag, 20. Juni 2010

IHR und WIR – eine Demonstration in Alltags-Nationalismus


Konditorei in Salzburg.
(Bitte beachten Sie die deutschen Flaggen
an den
Spielfeldecken! Offenbar waren hier
vaterlandslose
Gesellen am Werk!)



1. Szene

Meine Freundin R. und ich auf der Autobahn nach Salzburg. Wir reden über Nationalismus, und über Rassismus, und dass wir selber sowas ja zum Glück noch nie erlebt haben, so als Deutsche im Ausland beschimpft zu werden und so ... und dass man halt schon privilegiert ist, wenn man "weiß" ist ... wir haben's gut!

2. Szene
Eine Tankstelle in Salzburg, kurz nach der österreichischen Grenze. Wir stoppen zum Tanken, denn das Benzin ist im Nachbarland günstiger. Ich steige aus, um mir die Beine zu vertreten. R. betankt den Wagen ... Aus dem Auto hinter uns entsteigt ein pferdeschwanztragender Mitvierziger und redet R. laut an: „Na, Ihr kriegt's des auch net in Deutschland mit den Benzinpreisen ... da seit's froh, dass'ts uns hobt's, gell?!“ R. ist irritiert, ich wittere sofort Deutsch-Österreichische Feindschaft. Aber R. meint, nein, so sei das bestimmt nicht gemeint gewesen.

3. Szene
Gleicher Ort, 5. Minuten später. Ich bezahle an der Kasse. Als ich den Verkaufsraum der Tankstelle verlasse, sehe ich, wie erwähnter Pferdeschwanz-Träger sich vor R. aufbaut, um ihr einen erneuten Vortrag zu halten, der sinngemäß folgenden Inhalt hat: „ ... ja, 2002, da habt's UNS noch boykottiert ... und jetzt tankt IHR bei uns!!“ ... um dann empört abzurauschen.

Jetzt sind wir beide konsterniert. Wer ist denn bitteschön ”WIR“ und wer ist „IHR“? Und wann soll ich diesen Herrn boykottiert haben. Daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern ...

Uns wird klar, dass wir soeben eine Demonstration ungehemmtesten Nationalismus' erlebt haben. Dieses Mal gegen uns gerichtet, also gegen „uns“ als erkennbar aus Deutschland stammend. Und obwohl dabei in keinster Weise unser Leib und Leben in Gefahr war, waren wir extrem unangenehm berührt ob solch deutlich zur Schau getragener Feindseligkeit.

Das schlimmste an der Sache ist eigentlich, dass man jetzt spontan denken könnte, "na, ja, typisch Österreicher"! Und damit genau in die selbe Nationalismus-Falle getappt wäre.

Ach. Verallgemeinerungen sind was schönes! Auch machen sie das Leben so einfach! Und die anderen sind sowieso immer die Idioten. [ ironie aus ]




Jet-Tankstelle in Salzburg.
(Das ist NICHT unser Auto!)




Mittwoch, 9. Juni 2010

GOLDENE WORTE No. 1


„... If you're good at something,
never do it for free.“


HEUTE VON: THE JOKER
[aka Heath Leadger in "The Dark Knight"] während einer Honorar-Verhandlung mit anderen Schurken, für die der Joker BATMAN aus dem Verkehr ziehen soll. Guter Mann!

Samstag, 5. Juni 2010

"... GOOD EVENING, OSLO!" - der European Song Contest, und weshalb ich ihn liebe!

Schon eine Woche ist der wieder her, der große Event in Oslo, und ich will es mir nicht nehmen lassen, mich schnell noch dazu zu äußern ... da ich Trash und Camp sehr liebe, und diesen Wettbewerb schon als Kind gesehen haben, kann ich mich dessen Faszination schwer entziehen. Und mittlerweile weiß ich auch warum: der ESC ist eine der wenigen Veranstaltungen, wo Nationen entspannt MITeinander auftreten, und sich nicht gegenseitig anfeinden. Von Hooligans oder anderweitigen Aggressionen ist mir jedenfalls nichts bekannt. Und das macht das ganze zu einer sehr sympathischen (Mainstream)-Veranstaltung.

von der Qualität der Musik-Beiträge müssen wir nicht reden; diese sind in der Regel unterirdisch und völlig am musikalischen Zeitgeschehen vorbei. Aber da ist noch das andere: diese völlig pathetischen Performances, diese Kostüme, die Windmaschinen, und die Feuerwerke … das ist einfach ein ganz großer Spaß! Man könnte sich oft kaputtlachen, und es bleibt einem der Mund offen stehen, bei der Absurdität so mancher Beiträge …


Abteilung Geschlechterklischees
… da ist der ESC ein interessantes Feld. Viele Beiträge entsprechen in einer so übertriebenen Weise einer “normalen” und heteronormativen Sichtweise, dass ich schon wieder lachen könnte. Aber es gibt auch signifikante Ausnahmen: ich denke nur an DANA INTERNATIONAL, eine Transfrau, die 1998 den Song Contest für israel gewinnen konnte (toll!) …


oder VERDA SERDUCHKA aus der Ukraine (2007).


Oder den androgynen serbischen Sänger MILAN STANCOVIC von diesem Jahr (dem ich mehr Punkte gegönnt hätte) …


... die isländische Sängerin HERA BJÖRK, (auch aus diesem Jahr), die mit ihrer wohlbeleibten Präsenz allen magersüchtigen Heidi-Klum-Model-Mädchen ein Schnippchen schlägt.

Da werden dann und wann schon Klischees über den Haufen geworfen (auch wenn das oft nicht so geplant war, aber egal …)


Abteilung “Fähnchen-Schwingen”
: wir sahen den Song-Contest in trauter Runde, vier Frauen und ein Mann, und wir hatten mächtig Spaß und wir haben uns total gefreut über Lena Meyer-Landruts Erfolg in Oslo! nämlich weil sie ganz nett und sympathisch rüberkommt … wir haben uns einfach gefreut (by the way: herzlichen Glückwunsch für die Türkei für den 2. platz!)
... die Deutschland-Fahnen hatten wir irgendwie vergessen … es ist wohl keiner/keinem von uns auch nur in den Sinn gekommen … “National-Stolz” liegt uns wohl nicht. Weil es nämlich Unfug ist. Braucht kein Mensch. Es käme mir nie in den Sinn zu denken, “na gott sei, dank, jetzt sind WIR wieder wer”. Deswegen mache ich mir mal jetzt keine Sorgen, dass der diesjährige ESC mich in eine Nationalistin verwandelt haben könnte. Von irgendwelchen Deutschtümlern werde ich mir diesen Spaß jedenfalls nicht wegnehmen lassen.

Denn, wie mir jetzt schon wieder auffällt: der ESC ist mir um ein vielfaches lieber als das Fußball-Spektakel, das demnächst schon wieder beginnt. Weil der ESC nicht so bierernst ist! glücklicherweise lebe ich in der (sogenannt) multikulturellen Stadt Offenbach am Main. Da kocht der Deutsch-Nationalismus bei der WM dann nicht ganz so hoch … ich werde die Flaggen, die ich besitze, aus dem fenster hängen: die ISLÄNDISCHE; und die Regenbogen-Fahne (die ohne “pace”).

PS. Dänemark hatte den schlimmsten Beitrag. Öder 80er-Jahre-Mainstream, der mich schon als 17Jährige gelangweilt hat!

PS. Irlands Niamh Kavanagh hätte mehr Punkte verdient. Bei diesem Song bleibt kein Auge trocken!