Mittwoch, 4. September 2013

Wählen aus Notwehr


Liebe Leser*innen,

(Jesses, ist das viel Text geworden. Schrecklich, wenn man mal anfängt, loszuquatschen. Also, ICH an Ihrer Stelle würde es mir ausdrucken. Ich mein ja nur.)


Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: in wenigen Wochen, am 22. September ist in der BRD Bundestagswahl. Sie wissen schon, diese haarsträubenden Plakate, die da draußen wie aus dem Nichts aufgetaucht sind.

Mich beschäftigt dieser "upcoming event" sehr, ist ja auch wirklich aufregend und unterhaltsam, fast so gut wie der SONG CONTEST. 

Und da habe ich eine grandiose Ausgangsfrage:

"WÄHLEN ODER LIEBER NICHT?"

In den letzten Stunden und Tagen begegneten mir Menschen, die erwägen, NICHT zu wählen. Und die die Meinung vertreten, dass "Wahlrecht" nicht "WAHLPFLICHT" bedeutet. Nun sind gerade diese Menschen besonders reflektiert, also eben NICHT desinteressiert oder etwa zu faul, sich sonntags zum Wahllokal aufzuraffen. Im Gegenteil, sie sind viel interessierter an Politik als der Durchschnitt, kommt mir vor.

So liefert beispielsweise der folgende Text von Melusine Barby eine präzise und reflektiert Analyse der bestehenden Umstände: dass es bei Wahlen eben NICHT um Inhalte geht, sondern um Macht-Erhalt_Macht-Erringen. Dass das, was uns via Parteienlandschaft als "Politik" aufgetischt wird, gar keine "Politik" IST. Sondern eher eine "Politik-Simulation" (dieser schöne Begriff stammt, glaube ich, von Antje Schrupp.) Und dass tatsächliche Politik, also das Streben nach einem GUTEN LEBEN FÜR ALLE, und das Verhandeln darüber eher woanders geschieht. Frau Barby führt diesbezüglich z.B. die denkumenta an, ein Symposium, welches Ende August/Anfang September in Vorarlberg stattfand (ich war auch dort.). Und da gibt es noch tausend andere Beispiele. 

Melusine Barby leitet aus all ihren Beobachtungen ab, dass sie überhaupt keine Lust hat auf "Wahlpflicht" im Sinne von: 
– "Aber Du musst doch wählen!" 
- "Du willst doch teilhaben, oder? Verschenkst doch Deine Stimme!"
- "Und außerdem, schäm Dich, früher durften Frauen gar net wählen, in anderen Ländern dürfen sie's immer noch nicht!")"

Und sie hat Recht.
Ich habe ihren Argumenten und Beobachtungen nichts entgegenzusetzen. 

Und:
- "Ich muss gar nichts!"
- "Wenn ich tatsächlich teilhaben will, bin ich bei Wahlen eher falsch."
- "Thema "Frauenwahlrecht": Ich bin den Frauen (auch Männern? ich kenne mich schlecht aus), die, unter großem persönlichen Einsatz für das Wahlrecht für Frauen gekämpft haben, D.A.N.K.B.A.R.!! aber sowas von! Nur: würden DIE heute überhaupt noch wählen gehen? Würden die sich nicht vielleicht ebenso für andere Formen der Politik einsetzen, welche tatsächliche Teilhabe ermöglichen?"

DENNOCH. 
GEHE ICH WÄHLEN.

"Wohl nichts Besseres zu tun am Sonntag, was?!", werden Sie nun verwirrt anmerken.
Doch, ich HABE sogar was Besseres zu tun am 22.9., werde nämlich DIESE Ausstellung besuchen ... "LENKEN SIE JETZT DOCH NICHT VOM THEMA AB, BOUTIQUE VRENI!!!

Ich gehe also trotz allem hinüber ins Wahllokal in der Grundschule.

ICH WÄHLE NÄMLICH AUS NOTWEHR.

Ich MÖCHTE nicht dazu beitragen, 
- dass weiterhin neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik gemacht wird. 
- dass Lebensformen jenseits der Heteronormativität immer noch gnadenlos diskriminiert werden. 
- dass das menschunwürdige HARTZ4 weiter besteht. 
- dass Menschen in Existenzangst leben, weil sie, dank nicht vorhandener Mindestlöhne, sogar mit Vollzeit-Jobs kaum über die Runden kommen.
- dass Frauen zwar noch immer eingetrichtert wird, das Kinder-haben-wollen läge ihnen im Blute und nur sie könnten dass, so by nature, dass sie in der Realität dann aber dann ziemlich alleingelassen werden, mit dem "Privat-Kram"
- dass soziale und kulturelle Einrichtungen dank idiotischer Schuldenbremsen eingespart werden.
.u.ä.
... und ich WÜRDE dazu beitragen, ginge ich nicht wählen. Weil davon auszugehen ist, dass diejenigen, die obengenannte Abscheulichkeiten ganz supi finden, nämlich wahrscheinlich wählen GEHEN.

Ich geh also wählen am 22.9. 
Obgleich ich schon allein blöde finde, dass ich keine NEIN-Stimmen habe, also ganz unliebsame Parteinen einfach rausschmeißen kann (auch ein Vorschlag von Antje Schrupp). Dann ich nicht VIELE Stimmen habe (so wie bei der letzten Kommunal-Wahl in Hessen und HH auch, glaube ich), die ich auf Personen_auf mehrere Parteien verteilen kann.

Es ist natürlich streng formal eine Unterstützung des Systems, wenn ich wählen gehe. Aber um dies auszugleichen, gibt's ja diesen Text hier. Außerdem dauert das Kreuzerl-Machen eh nur eine Viertelstunde. Der Rest der Zeit steht dann wieder für tatsächliche POLITIK zur Verfügung.

GEHEN SIE DOCH AUCH! :) 

(ich bin nicht bös', wenn Sie's nicht tun. Aber es wär toll, wenn Sie dann drüber sprechen würden. Im Internet. Auf Facebook. Im Fernsehen. ZEIT_FAZ_TAZ und pi pa po wären auch nicht schlecht, falls Sie da (Chef)-Redakteur*in sind oder so.

P:S: 
Liebe ÖSTERREICHER*INNEN, Sie sind ja auch bald dran (National-Rats-Wahl Ende September). Ihnen bleibt nun gar keine Wahl. Sie müssen einfach ran! Die FPÖ mit ihrer nationalistischen und rassistischen Politik lässt einer/m einfach nur noch den Verstand stillstehen. 

Wir in BRD haben ja dafür die grässliche NPD. Die ist nicht so stark wie die FPÖ (Wobei, man weiß ja nie. 5% sind auch mal schnell erreicht. NOCH EIN GRUND, AUS NOTWEHR WÄHLEN ZU GEHEN!)

Also, dann,
schönen Sonntag,

Ihre BOUTIQUE VRENI









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