Freitag, 13. September 2013

FEMINISMUS. Unbehagen.

Zugegeben: der Titel ist lediglich ein Eye-Catcher. Ich empfinde gar kein Unbehagen gegenüber "dem Feminismus" (Den es ja, im Sinne einer homogenen Strömung_Gruppe_Partei, ohnehin nicht gibt). 

FUSSNOTE:
"Feminismus" ist eher sowas wie die Sicht auf die Welt aus *weiblicher Perspektive. Es bedeutet außerdem, Machtverhältnisse zu erkennen, und in Frage zu stellen. Das wäre meine augenblickliche Definition.  (*weiblich bezeichnet hier Menschen, die a) "weiblich" sozialisiert sind und_oder b) sich selber als "weiblich" bezeichnen. Wobei mir gleich wieder bewusst wird, dass Menschen, die beispielsweise "trans" sind, hier gleich wieder rausfliegen. :-/

Eh' klar also, dass solch ein Feminismus eine feine Sache ist. Für alle. "Gutes Leben für alle" und so.

Nein, um WAS es mir geht, ist eine bestimmte UMGANGSART in bestimmten Cliquen innerhalb des Feminismus, die ich nicht mehr ertrage.

Es ist dies eine Art, die permanent latent (oder oft auch gar nicht latent) besserwisserisch_herablassend_aggressiv daherkommt. 
Die mit genau JENEM Habitus von Herrschaftswissen und autoritärem Gehabe und Ausschluss-Erzeugung agiert, den sie eigentlich zu kritisieren vorgibt.
Die sich gegenseitig selbst zerfleischt.
Die bei Ereignissen_Phänomenen_Meinungen_Äußerungen regelmäßig AUSSCHLIESSLICH die Kritikpunkte heraussucht, und die besagte Sache dann in Gänze, kurz gesagt, "Scheiße" findet.

Da findet z.B. in Berlin Anfang September 2013 in Berlin eine Riesen-Demo gegen (Alltags-)Sexismus statt, mit zahlreichen Redner*innen, mit Musiker*innen wie Bernadette La Hengst, Doctorella, Dirk von Lowtzow, Sookee, etc. Eine tolle Sache. Soviel Präsenz. Soviel Sichtbarkeit. Soviel Energie! 

Dann passiert folgendes (nicht, dass ich es nicht geahnt hätte): tags darauf schreibt eine Bloggerin via eine (queer)feministische Internet-Platform (welche ziemlich meinungsbildend in diesem Kontext ist), weshalb sie so eine Demo irgendwie doch nicht so toll findet. Z.B. weil da auf der Bühne nur weiße Frauen/Menschen stehen. Weil so große Events doch nur den Mainstream bedienen. Und so weiter.

Bitte nicht falsch verstehen: die meisten Kritikpunkte aus der Bloggerin Text verstehe ich durchaus. Darum geht es nicht. Sondern es geht mir auch hier um diese herablassende Art, sich abzugrenzen, und Kritik eben NICHT konstruktiv anzuwenden. Sondern als Selbstzweck. Nein, nicht als Selbstzweck. Der Zweck erscheint mir nämlich wie reines Profilierungs-Bedürfnis. Hauptsache abgrenzen. 

In dem Text steht wiederum KAUM ein Wort des Respekts für die Wahnsinns-Arbeit, die die Organisation eines solchen Spektakels bedeutet. Eines Spektakels, welches (trotz aller berechtigter Kritik) eine Begeisterung und Energie freigesetzt hat, die gar nicht zu unterschätzen ist. Ich bin nämlich der Auffassung, dass solche Events keineswegs oberflächlich sind, von wegen "igitt, Massenveranstaltung" usw. Und ich bin sehr für "Mainstream", habe ich doch nicht die geringste Lust, mein Leben in einer separatistischen Blase zu verbringen. Das wäre mir wirklich zu wenig. In den Mainstream, genau da gehört das hin!

Ich möchte übrigens lieber keine Namen oder bestimmte Blogs erwähnen. Denn ich möchte nicht, dass das persönlich wird. Ich möchte niemandem "eine rein würgen". Das wäre furchbar und das werde ich im Falle sofort (Achtung, Wortwitz!) abbloggen. 

Ich würde nur gerne im Sinne einer gewaltfreien Kommunikation darlegen, dass mir das WIRKLICH WIRKLICH zu schaffen macht, diese Umgangsart. Dass es mich ärgert. Dass ich mir oft dumm vorkomme. Oder oberflächlich. Dass ich oft das Gefühl habe, NICHT mitreden zu können, obgleich ich doch genau das möchte. Weil ich teilhaben möchte.
Und es ärgert mich, dass ich auf diese, ja, letztlich autoritäre Art anspringe, mich davon ins Bockshorn jagen lasse!  

Mit ständiger Abgrenzerei und profilierungssüchtiger Mäkelei wird's nichts mit der EMANZIPATION. Oder mit der Auflösung der Herrschaftsverhältnisse. Und die ganzen Antifeministinnen, Rechten, maskulistischen Männerrechtler lachen sich auch noch ins Fäustchen.

Deshalb mal was ganz Verrücktes: 
Warum hören wir denn nicht erstmal einander zu, ohne gleich loszuschreien, wenn eine mal was noch nicht verstanden hat, nicht den korrekten Begriff verwendet, oder sich gar unsicher ist, und erst mal selber darüber nachdenken muss, ob und warum etwas sexistisch_rassistisch_homophob-etc. ist?

Und genau, warum versuchen wir, nicht öfter mal SELBER zu denken, anstatt mit Textbausteinen und auswendig gelernten Regeln um uns zu werfen, die wir vielleicht selber noch gar nicht kapiert haben? Oder nach denen wir uns dann gar nicht verhalten?
Warum können wir nicht öfter mal KONSTRUKTIVE Kritik üben, also z.B. sagen: "ja, finde ich echt super, und guckt mal, dies und das, das machen wir das nächste mal besser."





Warum können wir nicht respektvoll und empathisch und interessiert und wohlwollend miteinander umgehen?




"... es geht um den Dialog, der einen Zwischenraum schafft und ihn auch SEIN lässt – d.h. eine neue Logik der wechselseitigen Anerkennung." (Silke Kirch)

Doch. Wir können das. (Z.B. auf der denkumenta in vorarlberg, da ging das.) Statt ausschließlich ungefähr ALLES Bestehende in Grund und Boden zu kritisieren, und doof zu finden, werden wir anfangen, NEU-ZUBEGEHREN. nämlich * EIN GUTES LEBEN FÜR ALLE.

p.s. dieser Text ist sicherlich nicht völlig klar. Er ist an diversen Stellen unscharf. Er ist auch ein wenig polemisch. Er ist emotional. Er kann auch ergänzt oder verbessert werden. Ich mochte all das bloß nicht mehr für mich behalten. SO!


p.s.s. Noch eine Nachricht an die oben erwähnten Antifeminist*innen_Rechten_maskulistischen Männerrechtler*innen_Stammtisch-Konservative_Homophobe_Rassisst*innen_Nazis (hab ich jemand vergessen), die meinen, sie könnten sich durch Texte wie diesen in irgendeiner Weise bestätigt fühlen:

"(...) Verpisst Euch. Niemand vermisst Euch."*

(*in Anlehnung an die Lassie Singers.)


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Hier noch Links zu ein paar zum Thema passenden Begriffen aus dem "ABC des guten Lebens":

Differenz

Dazwischen

Intervitale Gespräche

Sowohl als Auch













Kommentare:

  1. Die gute Nachricht wäre ja: Der Feminismus ist so groß und stark inzwischen, dass er längst wie andere "Betriebe" ("Literatur-Betrieb" z.B.) läuft - mit allen Hierarchie-, Status-, Distinktions-, Ausschluss-Mechanismen, die allenthalben auch sonst bekannt sind. Kurz gesagt: Da wird halt geboxt - und das "Gute" daran wäre also: Wir sehen einmal mehr, dass Frauen eben NICHT zwingend die zarteren, komplexeren, "e.n.f.ü.h.l.s.a.m.e.r.e.n." Wesen sind - sondern dass sie ganz wunderbar herrisch, eitel, missgünstig, machtgeil sind - like potentially anybody else. In gewisser Weise, unter radikal-feministischem Blickwinkel, ist das doch ganz hübsch erfrischend.

    Schade, albern, ärgerlich, vor allem sehr oft: lächerlich ist es halt in dem, was Du beschreibst ... Diese inner-feministische STATUS-ANGST, die da offen liegt ... diese (oft elendig kitschig sich lesenden) Avantgarde-Fantasien, dieser extrem ausgprägte DISTINKTIONS-Druck eben, die Sehnsucht nach selbst gebastelter "Elite-Einheit", dieser unbedingte (!) performative Wille zur GESCHICHTSSCHREIBUNG - und das alles in einem derart selbstgewissen jakobinischen Tonfall vorgebracht - ja, super abstoßend, kontraproduktiv - letztlich: auffallend dumm.

    Keine Sisterhood jedenfalls, bei manchen.
    Mögen Sie weiter boxen gegen diejenigen, die Sie als ihre Feindinnen ausmachen.

    Was den von Dir angesprochenen Artikel angeht - habe ihn mir rausgesucht und gerade gelesen - war neugierig auf die dort verlinkten Bilder. Das folgende Plakat (siehe Link) bezeichnet die Autorin als "transphob". http://instagram.com/p/duOz2_AQT7/#

    Habe das Bild lange betrachtet. Mit einem großen "Hä?". Es dauerte wirklich eine Weile ... habe versucht, in alle möglichen Richtungen zu denken... bis ich darauf kam ... wie es funktioniert, dass das Bild als "tranphob" gelesen werden kann ... dann habe ich's plötzlich verstanden (habe eben versucht, mich in diesen Gedankengang hineinzuversetzen) - und dann also "Ach so!" - und muss sagen: Hilfe, holy shit - wie arg kann sich eines Menschen Hirn verknoten, dass sie oder er SO drauf ist? Das ist keine "rose colored world" dort - das ist irgendein anderer Ton - gefärbt aber in jedem Fall.

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    1. @katja k.
      danke für deinen ausführlichen kommentar; ich bin immer froh, wenn ich merke, dass meine wahrnehmung nicht gänzlich daneben liegt & von anderen so oder so ähnlich geteilt wird.
      ja, mit deinem 1. absatz, haha, das ist natürlich wahr: Frauen sind NICHT die besseren Menschen by nature. wenn ich sowas in film & fernsehen sehe, erfreut mich dies auch stets (z.b. cameron diaz in "BAD TEACHER", charlize theron in young adult).
      im echten leben wird es dann ungemütlich. und da wünsche ich mir dann eben mehr SISTERHOOD. auch wenn frau mal ne andere meinung hat.
      mist, das bild kann ich nicht angucken. immerhin IST da ein bild verlinkt.
      es kam auch schon vor, dass ereignisse einfach NICHT wiedergegeben wurden, sondern dass einfach gesagt wurde: hier fand rassissmus etc., statt, und Ihr habt kein recht, zu fragen, was denn los war, um was es ging, denn wenn Ihr das tut, stellt Ihr schon wieder in frage, dass das rassisstisch war (so geschehen vor ca. einem jahr bei der 5-jahres-party, des, äh, oben erwähnten queer-feministischen blogs, wo erst mal überhaupt nicht herauszufinden war, um was es ging, was passiert war. stattdessen gab es auf dem besagten blog riesige debatten und selbst-anklagen. das war sehr merkwürdig.)

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  2. Ich habe es Dir ja schon gesagt: SUPER! Danke, dass Du es mal auf den Punkt gebracht hast. LG Jutta

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    1. :) und dir noch mal DANKE für das feedback vorab.

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  3. ich verstehe gut, was du meinst, ist ja nicht nur innerhalb des feminismus oder der feministischen bewegungen oder wie auch immer ich das jetzt richtig benennen soll, ein problem. ich hab jetzt eine weile drüber nachgedacht und denke, es ist ganz stark ein identitätsproblem. ich kenne solches verhalten des absoluten distinktionswillens und der wahrheitshoheit aus meiner eigenen geschichte gut. auch ich habe so agiert. das ist aber etwa 15 jahre her. ich will mich damit nicht in eine position heben, die besagt, dass ich jetzt "besser" bin. eine ohnehin seltsame kategorisierung. ich denke, die abgrenzung dient einer selbstversicherung im sinne von ich bin ok und meine ansichten auch und wenn ich nicht mainstream sein will, dann natürlich auch eine nicht so häufig geteilte position. unsicherheiten und brüchigkeiten in der eigenen identität oder identifizierung auszuhalten ist nicht (immer) einfach, weil man/frau dann ganz schnell irgendwelchen -ismus-vorwürfen ausgesetzt sein kann oder der "du bist unpolitisch"-vorwurf ausgepackt wird. das will keineR.
    jedeN und alles in einer position differenziert zu inkluieren ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich und der vorgeworfene ausschluss von belangen/personen hängt natürlich auch immer vom eigenen fokus ab. und absolute differenzierung ist an vielen punkten sicherlich auch nicht zielführend. hm, jetzt hab ich das gefühl, ich schwafel abstrakt herum, weil ich mit der richtigen wortwahl ringe, um nicht falsch verstanden zu werden. aber vielleicht kannst du irgendwas damit anfangen. wenn nicht, kann ich's später noch mal anders versuchen klarzumachen.

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  4. @claudi s.
    ... wieso geschwafel, papperlapp! ... das hast du sehr treffend analysiert, das mit dem identitätsproblem. ja genau!
    ... und wenn du sagst, du habest vor 15 jahren ähnlich agiert, jetzt aber nicht mehr so, dann kommt bei mir auch wieder mal der gedanke auf, dass es auch, ganz platt, teilweise mit dem "alter", bzw. mit der "reife" zu tun haben könnte. nicht zwangsläufig natürlich. aber ich würde doch behaupten, dass es ein zeichen von "reife" ist, von "ent_wicklung", dass mensch sich sein_ihrer unstimmigkeiten_unsicherheiten bewusst wird, und sich diese auch eingestehen kann.

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