Samstag, 5. Juni 2010

"... GOOD EVENING, OSLO!" - der European Song Contest, und weshalb ich ihn liebe!

Schon eine Woche ist der wieder her, der große Event in Oslo, und ich will es mir nicht nehmen lassen, mich schnell noch dazu zu äußern ... da ich Trash und Camp sehr liebe, und diesen Wettbewerb schon als Kind gesehen haben, kann ich mich dessen Faszination schwer entziehen. Und mittlerweile weiß ich auch warum: der ESC ist eine der wenigen Veranstaltungen, wo Nationen entspannt MITeinander auftreten, und sich nicht gegenseitig anfeinden. Von Hooligans oder anderweitigen Aggressionen ist mir jedenfalls nichts bekannt. Und das macht das ganze zu einer sehr sympathischen (Mainstream)-Veranstaltung.

von der Qualität der Musik-Beiträge müssen wir nicht reden; diese sind in der Regel unterirdisch und völlig am musikalischen Zeitgeschehen vorbei. Aber da ist noch das andere: diese völlig pathetischen Performances, diese Kostüme, die Windmaschinen, und die Feuerwerke … das ist einfach ein ganz großer Spaß! Man könnte sich oft kaputtlachen, und es bleibt einem der Mund offen stehen, bei der Absurdität so mancher Beiträge …


Abteilung Geschlechterklischees
… da ist der ESC ein interessantes Feld. Viele Beiträge entsprechen in einer so übertriebenen Weise einer “normalen” und heteronormativen Sichtweise, dass ich schon wieder lachen könnte. Aber es gibt auch signifikante Ausnahmen: ich denke nur an DANA INTERNATIONAL, eine Transfrau, die 1998 den Song Contest für israel gewinnen konnte (toll!) …


oder VERDA SERDUCHKA aus der Ukraine (2007).


Oder den androgynen serbischen Sänger MILAN STANCOVIC von diesem Jahr (dem ich mehr Punkte gegönnt hätte) …


... die isländische Sängerin HERA BJÖRK, (auch aus diesem Jahr), die mit ihrer wohlbeleibten Präsenz allen magersüchtigen Heidi-Klum-Model-Mädchen ein Schnippchen schlägt.

Da werden dann und wann schon Klischees über den Haufen geworfen (auch wenn das oft nicht so geplant war, aber egal …)


Abteilung “Fähnchen-Schwingen”
: wir sahen den Song-Contest in trauter Runde, vier Frauen und ein Mann, und wir hatten mächtig Spaß und wir haben uns total gefreut über Lena Meyer-Landruts Erfolg in Oslo! nämlich weil sie ganz nett und sympathisch rüberkommt … wir haben uns einfach gefreut (by the way: herzlichen Glückwunsch für die Türkei für den 2. platz!)
... die Deutschland-Fahnen hatten wir irgendwie vergessen … es ist wohl keiner/keinem von uns auch nur in den Sinn gekommen … “National-Stolz” liegt uns wohl nicht. Weil es nämlich Unfug ist. Braucht kein Mensch. Es käme mir nie in den Sinn zu denken, “na gott sei, dank, jetzt sind WIR wieder wer”. Deswegen mache ich mir mal jetzt keine Sorgen, dass der diesjährige ESC mich in eine Nationalistin verwandelt haben könnte. Von irgendwelchen Deutschtümlern werde ich mir diesen Spaß jedenfalls nicht wegnehmen lassen.

Denn, wie mir jetzt schon wieder auffällt: der ESC ist mir um ein vielfaches lieber als das Fußball-Spektakel, das demnächst schon wieder beginnt. Weil der ESC nicht so bierernst ist! glücklicherweise lebe ich in der (sogenannt) multikulturellen Stadt Offenbach am Main. Da kocht der Deutsch-Nationalismus bei der WM dann nicht ganz so hoch … ich werde die Flaggen, die ich besitze, aus dem fenster hängen: die ISLÄNDISCHE; und die Regenbogen-Fahne (die ohne “pace”).

PS. Dänemark hatte den schlimmsten Beitrag. Öder 80er-Jahre-Mainstream, der mich schon als 17Jährige gelangweilt hat!

PS. Irlands Niamh Kavanagh hätte mehr Punkte verdient. Bei diesem Song bleibt kein Auge trocken!

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