Montag, 3. Juni 2013

KÜNSTLER*in. NOT!

 

Viele Nicht-Künstler*innen halten das Künstler*innen-Dasein ja für immens romantisch und beneidenswert. Wie gerne würden sie auch, wenn sie nur könnten (aus ungeklärten Gründen können sie ja nicht ...).

Wie gerne würden sie auch so ein Atelier in einem alten Fabrik-Gebäude haben, wo sie sich mal so richtig ausleben könnten. So, ohne funktionierende Heizung. So mit Putz, der von den Wänden bröckelt. So mit Wasser, welches bei Regen durch das Dach tropft. So mit einem Vermieter, der in seinen nassforschen Briefen und Emails auch gerne mal die Anrede vergisst. So mit Hausmeistern und Handwerkern, die jederzeit ein und ausgehen können, weil sie nämlich zu jedem Atelier die Schlüssel haben, bzw. sich diese beschaffen können.

Apropos: Handwerker. Nun komme ich heute in mein Voll-Romantik-Atelier und bemerke: hier war irgendwer und hat gewerkelt. Neue Schalter. Das Licht geht teilweise nicht mehr. Bohrer-Staub ... nach einer Viertelstunde naht ein Elektriker und bittet mich, ich möge diese und jene Bilder und Regale wegräumen. Er müsse an die Licht-Leiste an der Decke, Trennung der Stromkreisläufe, alle bekommen ja jetzt ihre eigenen Zähler und so. Ich einige mich mit ihm, Bescheid zu geben, wenn ich das erledigt hätte ...

Unnötig zu sagen, dass von Vermieter H. vorab überhaupt keine Benachrichtigung kam. Ich überlege: soll ich einen Brief schreiben, und mich beschweren? oder eine Email, mit C.C. an andere Atelier-Bewohner*innen? Denn: irgendwie bin ich ziemlich verärgert, über diese abschätzige, respektlose Art, einfach Dinge über den Kopf von Leuten hinweg zu machen, weil, das sind doch nur Künstler. Ohnehin lästig und im besten Falle einfach nicht ernst zu nehmen.

Ich beschließe, schon im vorab entmutigt, es sein zu lassen: eine Auseinandersetzung mit unserem Vermieter ist nutzlos; das Inkenntnis-Setzen anderer Atelier-Bewohner*innen hat erfahrungsgemäß hauptsächlich Desinteresse zur Folge.

Solidarität und gemeinsames Handeln (da könnte mein Atelierhaus exemplarisch sein), sind leider im Kunst-Kontext nicht die Regel. Spott und Schmunzeln schon eher, wenn Missstände thematisiert werden. Oder wenn man sich für Themen interessiert wie Finanzkrise. Wie Gesellschaft. Wie Feminismus. Wird alles weggeschmunzelt.

Und das ist, neben der fast demütigenden Missachtung (durch, Z.B. Vermieter und andere Nichtkünstler*innen), fast das Schlimmste: Die nichtvorhandene Solidarität. Die tendenziell absolute Ich-Bezogenheit, die oft schon an Narzissmus grenzt. Damit einhergehend die Verinnerlichung aller neo-liberalen Werte, die man sich nur vorstellen kann: Flexibilität, Mobilität, Selbstausbeutung, Hyper-Individualismus. Und irgendwie ist das alles auch ganz schön langweilig.

"Ja, WARUM MACHEN SIE DAS DENN DANN, WENN ES SO DOOF IST??" werden Sie jetzt fragen.

Und ich weiß keine Antwort.

Doch. Ich weiß eine: ich mache es einfach nicht mehr.
Ich bin einfach keine Künstlerin mehr.
Nicht so eine.


Ich bin gelernte Schriftsetzerin,  und habe einen Abschluss als Diplom-Designerin. An Titeln mangelt es mir also nicht, falls ich dann nicht mehr weiß, wie ich mich nennen soll. Bloggerin bin ich auch. Und die Malerei betreibe ich natürlich weiter. Ob das nun Kunst ist oder nicht.

KUNST IST, WENN ICH ES SAGE. UND hat vielleicht mit dem größten Teil des herrschenden Kunstbetriebs gar nichts zu tun.

P.S. Grüße an die Autorin KATJA KULLMANN, die sich einmal Dienstleisterin" genannt hat, und ausdrücklich nicht als "Künstlerin" bezeichnet werden wollte. Ich verstehe sie immer besser.

1 Kommentar:

  1. Ich verstehe Dich - das klingt extrem frustrierend.
    Ich denke auch, dass Du Dich selbst definierst, nicht Andere. Allerdings ist das wirklich exterm schwierig in einem Umfeld, das nach anderen Regeln tickt.

    AntwortenLöschen