Montag, 20. Februar 2012

A Country for Old Men

Bleibt alles beim ziemlich Alten.

Noch vor drei Tagen stellte ich auf Facebook die Frage, ob es denn allzu verwegen wäre, sich einmal vorzustellen, DER NÄCHSTE BUNDESPRÄSIDENT wäre NICHT weiß, männlich, hetero. Oder wenigstens EINES nicht dieser signifikanten Privilegien-Merkmale.

Gut, es war klar, dass solch eine Vorstellung völlig verrückt ist. Und zwar nicht aus dem gern angeführten Grunde, dass es doch auf die Kompetenz ankäme und nicht auf Äußerlichkeiten wie Geschlecht und all das Gedöns; denn genau das ist leider ein frommer Wunsch, welchen die Realität Lügen straft, weiterhin. Leistung und Kompetenz lohnen sich eben NICHT notwendigerweise. So SOLLTE es sein; so IST es aber nicht (Abgesehen davon, dass nicht alle Menschen den gleichen Zugang zur Kompetenz, und die gleiche Möglichkeit zur Leistungserbringung haben). Faktisches und Normatives werden ja allzeit gerne verwechselt.

Der Grund, weshalb meine Vorstellung so derart verrückt war, liegt in tiefliegenden gedanklichen Verkrustungen und Vorstellungen, wie die Dinge zu sein haben (und zwar so, wie sie schon immer waren!). In dieser Vorstellungswelt müssen Männer Karriere machen und Familien ernähren. Müssen und wollen Frauen, gemäß ihrer Natur Kinder und andere Menschen versorgen, und Macht irgendwie eh nicht so gut finden. Sollen Menschen mit Migrationshintergrund sich aber mal benehmen, wenn sie denn schon hier sind. Können die Schwulen doch froh sein, weil es ist doch schon alles so tolerant!

Mehr geht jetzt aber nicht. Mehr kennen wir auch nicht. Ist doch auch so schon alles ganz gut. Muss jetzt doch auch nicht noch ne Frau Bundespräsidentin werden, oder so was ... weil (und das ist mein Lieblingsargument), dann hätten wir ja zwei (ZWEI) Frauen an der Spitze. Klar, völlig absurd. Eine Laune der Natur wäre das. Von anderen Hautfarben oder gar sexuellen Orientierungen, da wollen wir ja erst gar nicht reden, gell. Das gabs früher ALLES nicht. Man muss doch nicht immer alles anders machen!!

Genug des Sarkasmus.

Gewundert hat es mich nicht, dass es jetzt doch wieder ein Mann wird, ein älterer, weißer Mann, hetero eh.

Gewundert hat mich aber doch, dass es derart schnell ging. Dass da sofort ein vorhersehbarer Kandidat aus der Schublade gezogen wird, ohne sich mal weitere Personen zu überlegen (Joachim Gauck liegt übrigens schon länger in der Schublade, seit 1999. Damals war er als Kandidat zumindest im Gespräch. Als Kandidat der CDU übrigens.) ... ein wenig mehr hätten sich die Verantwortlichen schon Zeit lassen können. Und vielleicht auch mal MEHR als eine/n KandidatIn suchen können. So dass es wenigstens den ANSCHEIN von was Demokratischem hat. Na ja. Auch wieder voll verrückt, diese Überlegung. Ach, und demokratisch ist die Chose ja doch: gestern, 19.2., stand auf der BILD zu lesen, 54% seien für Gauck. Und schon am selben Abend, zack, gibt die Kanzlerin nach, und der ex-Bürgerrechtler ist Kandidat. Und damit schon so gut wie Nachfolger.

Und der Kandidat selber? Es wäre ja noch alles ganz O.K., wenn auch, wie gesagt, vorhersehbar, wenn Gauck nichts als ein Ex-Bürgerrechtler und aufrechter Demokrat wäre. Doch was ist das? Der Blogger Jacob Jung hat da am 17.2. in seinem Artikel "Hier riecht’s nach Gauck" ein Portrait von Gauck zkizziert und dabei diverse Einzelheiten, Gaucks Einstellungen betreffend, aufgelistet, die mich ziemlich ratlos zurücklassen. Von unaufgeklärten Kontakten zur STASI ist hier die Rede. Dann findet Gauck jedwede Kapitalismus-Kritik (OCCUPY) ziemlich albern und romatisch, öffentliche Proteste (stuttgart 21) hysterisch, einen Atomausstieg gefühlsduselig. Dagegen, es gibt auch positives, findet er Thilo Sarrazins Äußerungen mutig. Weil der so ein wichtiges Thema angesprochen habe (angesprochen!), und weil seine Sprache so leicht verständlich und gar nicht political correct sei. Und die Linkspartei, die kann man auch überwachen, also wenn die überwacht wird, wirds schon Gründe geben, ist doch logisch!

Ähm, ja.

Also, das wird unser neuer Bundespräsident.

Und ich bin enttäuscht.

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