Montag, 29. Februar 2016

DIE GROSSE CHANCE

Ja. Ehrlich gesagt: wir wundern uns schon ein bisschen. Jetzt kennen wir uns schon so lange. Und denken uns: so langsam müssten Sie es doch registriert haben, dass diese Künstler*innen / Kreativen / Kultur-Arbeiter*innen oft finanziell in ziemlich prekären Verhältnissen leben.

Bzw. dass viele, die sowas tun, dann halt doch nicht davon leben können, sondern von ihrem (Ehe-)partnern, Eltern, etc. mitfinanziert werden; dass die 2-Zimmer-Wohnung dem Papa gehört; dass die Eltern noch zwei Häusschen nebst Baugrundstück auf dem Lande besitzen; dass da jeden Monat ein paar 100 Euro aus der Beteiligung an der familieneigenen Firma auf dem Konto anrauschen.

Und wenn sowas nicht da ist, dann wird es eben: prekär. Da nützt die schönste "Freiheit" nichts, (wir sind Ihnen jetzt mal zuvorgekommen, denn wir möchten wetten, dass Sie gerade so was ähnliches sagen wollten wie: "Dafür haben Sie ja auch soviel Freiheit!") Stimmt … freie Zeiteinteilung; kein*e Chef*in, dem*der man verpflichtet wäre. Aber eben auch kein regelmäßiges Einkommen; keine finanzielle Sicherheit.

Was ist das nun für eine "Freiheit", die permanent von Existenz-Angst und von der Angst vor Alters-Armut begleitet wird?

Und: Wollen Sie wirklich, dass nur noch Menschen künstlerisch tätig / kreativ sein können, die aus einer wohlhabenden Familie kommen? Nein, das wollen Sie nicht.

Sie könnten jetzt natürlich sagen: "Aber das haben Sie sich doch selber ausgesucht, Sie hätten ja was anderes machen können." Damit würden Sie natürlich auch gleichzeitig sagen, dass für Sie diese ganze Kunst, diese ganze Kreativität überflüssiger Schnick-Schnack ist, den es eigentlich nicht braucht.

Aber das meinen Sie natürlich nicht. Im Gegenteil: Ihnen ist ja schon klar, dass all diese Dinge wichtig sind: für die Gesellschaft; für ein "Gutes Leben für Alle". Weil Sie ja nicht nur an materielle Dinge glauben. Sondern, weil Sie merken, dass da auch noch was anderes ist.

Und weil das so ist, haben wir eine Bitte:
Bitte machen Sie uns keine Angebote mehr, in denen wir für Sie umsonst, also in unserer "Freizeit": Bilder an Praxis- oder Kaffeehaus-Wände hängen sollen; bei Vernissagen Musik vortragen sollen; Projekte für irgendwelche Veranstaltungen entwickeln sollen: und so weiter und so fort. Sie wissen, was ich meine …

Das sind nämlich alles keine Chancen für uns; das ist alles nur Arbeit. Sehr viel Arbeit und Aufwand, bei denen in der Regel wenig zurückkommt. In jedem Falle ist es zuwenig. Glauben Sie es uns, wir haben schon ein paar Jahre Erfahrung.

Wir glauben Ihnen durchaus, dass Sie es gut meinen … und deshalb ist es für uns jedesmal wieder äußerst unangenehm, wenn wir Ihre Angebote ablehnen müssen. Wir haben dann immer das Gefühl, uns rechtfertigen zu müssen. Und wir müssen uns so oft wiederholen. All das ist ganz schön erniedrigend, wenn *man das ganz oft machen muss. Weil man sich dann so gar nicht gewertschätzt fühlt. Sie wissen ja, wie das ist. Warme Worte und Chancen sind schön; an der Supermarkt-Kasse kann *man damit nicht bezahlen.

Oder stellen Sie sich vor, Sie sagen zu Ihrem Vermieter: "Miete zahlen möchte ich nicht, aber dafür erzähle ich allen, was Sie für ein toller Vermieter sind. Dann können Sie noch viel mehr Wohnungen vermieten!". Nee, verrückt, gell; wer würde sowas tun. Lachhaft. Tja.

Ich glaube, Sie verstehen das schon alles. Es ist Ihnen halt nicht immer bewusst. Das ist auch ganz normal. Deswegen wollten wir mal wieder kurz Aufklärungsarbeit leisten. So dass wir das in Zukunft anders machen können.

Danke fürs zuhören :D

Ihre BOUTIQUE VRENI

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