Samstag, 3. März 2012

BABY I'M A STAR!

Andy Warhol, re-discovered


Andy Warhol ... das ist nun einer der bekanntesten Künstler überhaupt ... ein alter Hut, und Mainstream sowieso ... unlängst sahen wir uns dennoch den ersten Teil einer Doku auf ARTE an (Und wir sehen uns SELTEN Sendungen über KünstlerInnen an; weil diese zur absoluten Klischeehaftigkeit neigen; und meist bis zum Erbrechen die Geniehaftigkeit und das Aus-Dem-Alltäglichen-Gefallensein der besagten KünstlerInnen beschwören. Und eine Autarkie und einen Künstler-Mythos erzeugen, die mit der Realität selten übereinstimmen.)

Nun, diese Doku war teilweise nicht anders; besonders zu Anfang kamen Kunstkritiker zu Wort, die uns die geniale Arbeit des Künstlers erklären wollten. Glücklicherweise ging es dann rasch über in die biografischen Hintergründe des warholschen Lebens. Was in der Tat interessanter war, worauf wir hier aber gar nicht groß eingehen wollen.

Worauf wir eingehen wollen, ist, dass wir (klingt jetzt überkandidelt) den Künstler und die Person Warhol sozusagen "wiederentdeckt" haben. Denn irgendwie ist uns dieser Warhol, und wie er so war, und was er so machte, doch ziemlich nahe ...

Über seine Schüchternheit und Selbstzweifel brauch' mer' gar net reden ... jaja. Aber irgendwie hatte er auch eine ganz angenehme Haltung zu diesem "Kunstkram"; folgender Dialog-Wechsel markiert den Anfang der arte-Dokumentation.

Reporter: "... sind Ihre Werke nicht als Originale zu bezeichnen? Würden Sie dem zustimmen?"Andy: "Ja"
Reporter: "Warum nicht?"
Andy
: "Weil es keine sind."

Reporter: "Sie kopieren also nur einen Alltagsgegenstand?"

Andy
: "Ja"

Reporter: "Und warum haben Sie nicht etwas Neues geschaffen?"

Andy
: "Weil es einfacher ist"


... Welch sympathische Antwort! Von diesem Künstler-Genie-Kram, der als Mythos bis heute gilt (und im Nachhein auch jenen übergestülpt wurde, die, wie Beuys, oder eben Warhol, etwas ganz anderes vorhatten, also, von diesem unsäglichen "ich-schaffe-autonom-aus-mir-heraus-was-völlig-neues" hielt Andy wohl nicht soviel. Vom Berühmt-Werden umso mehr. Von Popstars war der bereits erfolgreiche Werbegrafiker fasziniert (so wie wir.); also hat er sie auch gleich in seiner Kunst verwurstet (auch wie wir!); berühmt werden wollte er ebenso wie sie (bei uns eher latent vorhanden, dies Bedürfnis).
Wenngleich ein schüchterner und introvertierter Mensche, der gern eher am Rande stand und beobachtete, verbarg Warhol dennoch seine sexuelle Orientierung weniger als so manche Künstlerkollegen; so sagt es jedenfalls die ARTE-Doku, und führt die erfolgreichen Popart-Künstler Robert Rauschenberg und Jasper Johns an, welche, obgleich sogar ein Paar, nach außen hin offenbar lieber die Heterosexuellen Alpha-Männer gaben. Wer hätte es ihnen auch verdenken sollen in Zeiten, in denen es buchstäblich verboten war, in Hollywood-Filmen Homosexualität überhaupt zu nennen; nur war der Star-Bewunderer Warhol in dieser Hinsicht offener. Seinen Künstlerkollegen war er zu "tuntig".

Was die Kollegen Rauschenberg und Jaspers an Warhol auch nicht mochten: seine fehlende Distanz zum schnöden Geld-Verdienen. Zwar waren die beiden Künstler vormals auch kommerziell tätig, hatten damit jedoch nach Beginn ihrer Künstlerkarriere abgeschlossen. Im Gegensatz zu Andy Warhol. Dieser grenzte sich weder gegen die Waren- noch gegen die oberflächliche Alltags- oder Medien-Welt ab. Stattdessen umarmte er all dies offensiv.

Gerade mit dieser Haltung dürfte Warhol noch heute als revolutionär gelten. Oder gar als Dorn im Auge. Denn das "Geld-Verdienen", das geht nicht, als KünstlerIn. Als RICHTIGE/R KünstlerIn. Man spricht nicht darüber, es gilt als peinlich, als Affront ... und es ist SO reaktionär, dies Künstler-Bild des 19. Jahrhunderts. Wir mögen es einfach nicht mehr. Wir hören vielleicht einfach auf, RICHTIGE Künstlerin zu sein. Und werden WARHOL. Vielleicht lernen wir dann auch ein paar Stars kennen.

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