Freitag, 11. Februar 2011

GENTRIFIZIERUNG ALS SCHICKSAL.

... warum machen Kulturschaffende eigentlich immer so weiter?

Unlängst las ich auf der Facebook-Seite eines Frankfurter Off-Spaces, dessen Schließung nun definitiv ist, folgenden Satz: „"es ist unser (künstler) schicksal tote ecken mit kultur zu beleben, um die dann an geldmagnaten zu übergeben."


... „Gentrifizierung als Schicksal" halt, traurig, aber wahr, so ist der Lauf der Welt ... daher nicht lange grübeln, über Dinge, die man ohnehin nicht ändern kann, sondern auf zum nächsten Projekt. Nicht aufhören damit, Energie und Geld in die Suche nach Orten zu stecken, die dann mit ambitionierten Projekten bespielt werden können; denn unterkriegen lassen wir uns nicht!


Ja.


Nein.


Unterkriegen lassen wir uns nicht ... aber ... hat diese Strategie nicht einen kleinen Haken? HAT man uns nicht schon längst untergekriegt? Machen wir nicht ganz genau das, was von uns erwartet wird? Was macht das mit unserer Lebensenergie und mit unserer Selbstachtung, wenn wir uns regelmäßig für wenig oder kein Geld bzw. keine Anerkennung verausgaben? Wie finden wir das, wenn sich andere mit unseren kulturellen Leistungen profilieren, selbst wenn man uns dabei Honig um den (falls vorhanden) Bart schmiert ("Unterdrückung durch Überhöhung" nennt letzteres der Soziologe Klaus Theweleit)? Gaukeln wir uns da nicht einen künstlerische Freiraum vor, welchen es eigentlich gar nicht gibt? ... Kulturschaffende: Menschen, die, allzeit flexibel und mobil, für wenig oder kein Geld arbeiten = ein neoliberaler Traum. Möchten wir das sein? Möchten wir wirklich hegemoniale Strukturen noch verfestigen? Machen wir uns nicht was vor?


Nein. Das möchten nicht alle; es geht nämlich auch anders. Z.B. bei den Hamburger Kulturschaffenden, die 2009 unter der Überschrift "Not In Our Name, Marke Hamburg!
" ein feines Manifest formuliert haben, weil ihnen die Gentrifizierung des Hamburger Gängeviertes gar nicht schmeckt. Sie wollten einfach nicht mitmachen.

Nicht mitmachen wollten auch die Unterzeichner*innen des Berliner Offenen Briefes (an OB Klaus Wowereit) bezüglich der geplanten „Leistungsschau junger Kunst aus Berlin“
. Und nun gibt es sogar folgendes feine Manifest: HABEN UND BRAUCHEN.

... Ach, wie schon wär' das, wenn es so eine Initiative auch in Rhein-Main gäbe, denn hier in der Gegend wimmelt es ja auch nur so von Kulturschaffenden und Kreativen Städten! Die Schließung des obengenannten Off-Spaces (namentlich des LOLA MONTEZ) wäre dafür doch ein adäquater Anlass ... Und: "Schicksal" ist doch auch irgendwie doof!


Kein Schicksal. Stattdessen Selbstachtung!

Das machen wir!


Kommentare:

  1. Der Begriff des Schicksals ist auf zweierlei Hinsicht unpassend.

    Einerseits unterstellt er quasinatürliche Mächte (wie Gewitter a.ä.), gegen die wir nicht ankommen, während es doch Menschen sind, die von bestimmten Interessen geleitet unseren eigenen Interessen entgegen stehen. Wir können wenigstens sagen, daß wir das so nicht wollen.

    Weiterhin ist der Verweis auf das Schicksal eine Beleidigung für die, die eben seit Jahren für eine Veränderung ankämpfen. So wie Du, und Thing Frankfurt.

    Wer von Schicksal redet, ist feige.

    Stefan

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  2. @Stefan,

    ja, ganz genau! der begriff des "schicksals" stieß mir auch so unangenehm auf, und war der auslöser für diesen post.

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  3. Liebe Verena - sehr richtig: Schluss mit "Schicksal"! Darauf endlich einen Kaffee bald.

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